Das Drama spielt sich an diesem Sonntag Nachmittag am Himmel über Erfurt ab. Eine Stunde kreist der Flieger mit der Mannschaft von Borussia Dortmund über der Stadt, erhält wegen schlechter Sichtverhältnisse keine Landeerlaubnis und muss unverrichteter Dinge umkehren. Das Eröffnungsspiel für das umgebaute Steigerwaldstadion, Heimstatt von Rot-Weiß Erfurt, wird abgesagt. In der Altstadt drücken sich versprengte Gruppen BVB-Fans durch den kalten Thüringer Nebel. Das Beste draus machen, leicht wird’s nicht. Die Geschäfte sind geschlossen, die Bordsteine hochgeklappt, die Straßen vereist, das Thermometer zeigt Minus 9 Grad, ›Borussia, Borussia‹ …

Foto Hartmut Welscher
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An der Theaterbar ein paar Straßen weiter glüht man derweil im Warmen mit gut gezapftem Pils vor. Hier hat heute Abend Joana Mallwitz Heimspiel, seit 2014 Generalmusikdirektorin am Theater Erfurt. In den »Expeditionskonzerten« fährt sie drei Mal im Jahr durch ein ausgewähltes Stück der Spielzeit. Heute Abend ist es Mahlers Vierte.

Mein Sitznachbar hat die Sinfonie bereits ein paar Tage zuvor im Abokonzert gehört. Warum ist er jetzt wieder da? »Na, weil das hier was ganz andres ist und die Frau Mallwitz das so gut macht.« Und wie läuft »das hier« jetzt ab, wird das ganze Stück durchgespielt? Das sei immer anders, für den vierten Satz brauche man ja eine Sopranistin, ob die wieder dabei sei? Im Übrigen hänge das ganz von der Laune von der Frau Mallwitz ab. »Die Frau Mallwitz«, er sagt das mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Stolz, so wie man von jemandem spricht, den man lange Jahre kennt, dem man sich nahe fühlt, dessen Rolle aber immer so viel Achtung abnötigt, dass respektvolle Distanz bleibt. Auf »die Frau Mallwitz« lässt er nichts kommen, das merkt man, da soll man ihm jetzt lieber nicht komisch kommen.

Foto Hartmut Welscher
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Das 800-Plätze Haus ist proppenvoll, das Publikum gemischt. Die 4. Sinfonie wird von hinten aufgezäumt, so, wie auch Mahler sie schrieb: mit den im Schlusssatz vertonten Strophen des Gedichts »Das himmlische Leben« aus Des Knaben Wunderhorn als thematischer Keimzelle. (VAN-Leser/innen erinnern sich: Um das Lied ging es unter anderem auch in der ersten Folge unserer »What’s Up…« Reihe.) Julia Neumann, die Sopranistin aus dem Abokonzert, ist wieder da. Gemeinsam mit dem Orchester spielt man einige Stellen an, Mallwitz weist auf Zitate und Reminiszenzen hin, das Leiden der geschlachteten Lämmer in der Oboe, das der Ochsen in den Kontrabässen, später die verschrobene Rhythmik zu Beginn des ersten Satzes (der beginnt, »als ob er nicht bis drei zählen könnte«, wie Mahler es formulierte), die himmlische E-Dur Eruption im dritten Satz. Sie moderiert mal auf dem Podium, mal am Flügel, zitiert das schöne Bernstein-Zitat, bei Mahler liege zu jedem Gefühl das genau entgegengesetzte immer ganz nah. Dass das Format zündet, liegt zum Einen an der Ansprache: Es gibt genügend »Brot und Butter« für den Kenner und genug Story und Insights für die Neugierigen. Vor allem funktioniert es aber, weil man der Frau Mallwitz abnimmt, dass sie genau das hier gerade jetzt wirklich gerne tut für »ihr« Publikum.

»Da muss ich nicht so tun, als ob. Am Anfang einer Karriere denkt man das noch mehr. Ich bin eigentlich ein verschlossener Mensch, nur auf der Bühne nicht.«

»Mittlerweile mache ich das relativ spontan«, sagt Mallwitz, als wir uns nach dem Konzert beim Italiener gegenübersitzen. »Ich bin es mehr gewohnt, auf der Bühne zu stehen und zu reden. Außerdem habe ich keine Zeit mehr, dafür eine Woche zu üben. Ich weiß zum Beispiel, dass man mir viel anmerkt, aber das ist okay. Ich kann den Leuten nicht was vorspielen. Wenn ich eine Rede halte und meine Stimme zittert, weil ich emotional bin, dann ist das halt so, da muss ich nicht so tun als wäre ich der super abgeklärte Redner. Am Anfang einer Karriere denkt man das noch mehr. Ich bin eigentlich ein verschlossener Mensch, nur auf der Bühne nicht.«

Eine Ahnung davon erhält man schon beim Expeditionskonzert. Ihr Dirigat ist nicht »unbeherrschte Wichtigtuerei«, wie Pierre Boulez Mahler-dirigierende Kollegen einmal abkanzelte, sondern ehrlich teilhabendes In-der-Musik-Sein. Sie kann nach vorne, sie kann stillhalten, sie kann fein ziseliert, mit Verve in die Kurve, und handwerklich eh alles, was sie will. Auch wenn der ein oder andere Impuls ins Leere läuft, weil in so einem Gesprächsformat mancher im Orchester nicht unbedingt auf der Stuhlkante sitzt. Vielleicht lässt man sich als Musiker und Zuhörer besonders auf sie ein, weil man das Gefühl hat, sie teilt in und über die Musik etwas von sich mit, das sie normalerweise unter Verschluss hält? Mallwitz erzählt von einem Erlebnis während ihres ersten Dirigierkurses. »Es war das erste Mal, dass ich andere Leute traf, die auch dirigieren wollten. Man sah bei jedem, der das Pult betrat, die sofortige Verwandlung in das Bild an, das sie oder er von einem Dirigenten eben hatten. Da hab ich es mit der Angst zu tun bekommen. In was für eine Welt gerate ich hier?«

Als der Wunsch zu dirigieren trotzdem weiter reift, versuchen einige Lehrer sie davon abzubringen. »Sie kannten mich und wussten, dass ich nicht der Typ bin, der so gut Show machen kann. ›Bist Du sicher? Der Druck, diese Höhle des Löwen‹. Simone Young war damals ein Vorbild für mich. Diese Frau aus Australien, die Chefin in Hamburg wird, das fand ich cool. In Interviews von ihr, die ich verschlungen habe, kamen aber öfter so Sachen wie: ›Als Frau musst du der bessere Mann sein, du hast nur zwei Minuten Zeit am Anfang der Probe, um das Orchester zu überzeugen, ein Mann hat zehn.‹ Das kann ich nicht, mich stärker oder weiser oder schneller zu geben. Irgendwie hat es trotzdem geklappt.«

»Da hab ich es mit der Angst zu tun bekommen. In was für eine Welt gerate ich hier?«

Es gibt grob überschlagen zwei Arten von Dirigentenkarrieren. Die oft blutjungen Wettbewerbsgewinner, die kometenhaft aufsteigen (und manchmal ebenso schnell wieder verglühen). Gustavo Dudamel ist ein Beispiel oder aktuell Lahav Shani, der nach dem Gewinn des Gustav-Mahler-Wettbewerbs 2013 schnell weltweit die Spitzenorchester dirigierte und ab 2018 Chefdirigent in Rotterdam wird. Auch ein einflussreicher Mentor kann nicht schaden. In Shanis Fall ist das Daniel Barenboim. Der lässt den Schützling schonmal beim West-Eastern Divan Orchestra die Zugabe dirigieren und das Publikum im Anschluss laut Shanis Namen beschwören. Dieser Zirkus dreht sich immer irrer. Der Hyperinflation des Stars wird mit laufend neuen Stars begegnet, und der Wettbewerb ist deren Geldpresse.

Der andere Weg ist, zumindest in Deutschland, der, den man bei Politikern und Managern gerne »Ochsentour« nennt: Studium, Korepetitor am Opernhaus, Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung, Assistenzstelle bei einem namhaften Dirigenten, Kapellmeister, Gastdirigate. Früher war das der Normallfall: Karajan, Wand, Thielemann haben das gemacht, Gabriel Feltz hat neulich davon erzählt. Mallwitz lässt kaum eine Station aus, die Ochsentour als Parforceritt: mit 19 Solorepetitorin am Theater Heidelberg, dort dann Zweite Kapellmeisterin und Assistentin des Generalmusikdirektors Cornelius Meister. Daneben viele Gastdirigate. 2014, mit 28, wird sie in Erfurt jüngste Generalmusikdirektorin Deutschlands. Ihren zunächst für drei Jahre unterschriebenen Vertrag verlängert sie 2016 um ein Jahr bis 2018.

Foto Hartmut Welscher
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Als wir uns kurz vor ihrem Antrittskonzert in Erfurt vor zweieinhalb Jahren das erste Mal treffen, habe ich den Eindruck, sie fühle sich noch nicht ganz wohl in ihrer neuen Haut. Befragt zu werden, Selbstauskunft zu geben, (auch meine) geistlose Fragen gestellt zu bekommen und darauf möglichst schnell eine geistreiche Antwort zu geben, die Komplexität mit dem Plakativen abzukürzen. Zum Start in Erfurt hatte sie sich damals Begleitung einer PR-Agentur geholt, die hat sie mittlerweile nicht mehr. Hat die Aufmerksamkeitsökonomie sie damals mehr beschäftigt als heute? »Als ich in Erfurt anfing, habe ich mir in der Tat viele solche Fragen gestellt: Muss ich mich bemühen, Aufmerksamkeit zu bekommen, darauf Einfluss nehmen, wie ich gesehen werde? Im Moment denke ich eher, dass ich vor allem meinen Job machen muss. Alles andere ist Zeitverschwendung.«

»Ich dachte, das muss ich jetzt machen. Im Nachhinein hätte mir damals jemand sagen müssen, ›Warte noch!‹«

Der Vorteil des Marsches durch die Institutionen für einen jungen Dirigenten ist, dass das Handwerk wachsen kann, man das eigene Repertoire langsam aufbauen und sich in einem relativ geschützten Raum ausprobieren kann, ohne dass gleich Reputation und Karriere auf dem Spiel stehen. Fehltritte hat Mallwitz trotzdem nicht ganz ausgelassen. »Vor einigen Jahren habe ich bei einem Orchester dirigiert, wo ich jetzt sagen würde, das war dumm.« erzählt sie. »Es war eines der allerersten Super-Angebote, bei dem ich dachte, das muss ich jetzt machen. Ich hatte keins der Stücke vorher dirigiert, ich war nicht frei, nicht sicher, konnte gar nicht einschätzen, wo liegt es an mir, wo am Orchester, dass es nicht so läuft? Im Nachhinein hätte mir damals jemand sagen müssen: ›Warte noch!‹«

Von der harten Schule der Kapellmeisterzeit profitiert sie jetzt, wenn sie Dirigate von Kollegen übernimmt, so wie letztes Jahr von Teodor Currentzis die musikalische Leitung bei Barrie Koskys Macbeth-Inszenierung in Zürich. »Das Nachdirigieren bin ich aus Heidelberg gewohnt, das war für mich damals immer der erste Figaro, die erste Zauberflöte, immer ohne Probe direkt im Graben. Das hilft mir jetzt natürlich, auch wenn das, was Teodor da gemacht hat, so logisch und so sehr mein eigenes Gefühl war.«

»Selbst vielen Kollegen ist nicht bewusst, dass die Mimi, die da gerade in der La Bohème auf der Bühne steht, halb krank ist und trotzdem singt, nicht weiß ob sie morgen noch einen Job hat, mit dem Fahrrad kommt, weil sie sich kein Auto leisten kann, während der 7. Hornist, der gerade dienstfrei hat, bis an sein Lebensende abgesichert ist. Da stimmt was nicht.«

Wo wir gerade bei Currentzis sind: Ist das, was der in Perm macht, seine eigenen Ensembles aufzubauen, mit allen Freiheiten, der eigentliche Traum eines jeden Dirigenten? »Ja, eigentlich ist das das einzig Wahre, oder?« Wir sprechen über das, was im Opernbetrieb nicht zusammenpasst, den Widerspruch aus »Betrieb« und »Kunst«, der sich so schwer auflösen lässt und zu dem es so wenige Alternativen gibt. Man merkt, das Thema treibt sie in Personalunion um: als Fan, der die Oper liebt, und als Dirigentin, die mit deren institutionellen Unzulänglichkeiten hadert. »Selbst vielen Kollegen ist nicht bewusst, dass die Mimi, die da gerade bei La Bohème auf der Bühne steht, halb krank ist und trotzdem singt, nicht weiß ob sie morgen noch einen Job hat, mit dem Fahrrad kommt, weil sie sich kein Auto leisten kann, während der 7. Hornist, der gerade dienstfrei hat, bis an sein Lebensende abgesichert ist. Da stimmt was nicht.« Trotzdem zu versuchen, an so vielen Abenden wie möglich Momente herauszulösen, in denen die Arbeitswirklichkeit hinter die Musik zurücktritt, diese Herausforderung der Unmöglichkeit reize sie, »egal wie verzweifelt man zwischendurch immer mal wieder ist, weil man eine Mozart-Oper nach vier Wochen Pause ohne Probe und mit anderer Besetzung spielen muss, am selben Tag morgens noch Bernstein geprobt und am Abend zuvor Madame Butterfly gespielt hat.«

»Und dann ist es so aufgebrochen, das Wir-Gefühl. Das war eines der besten Konzerte, die wir hier hatten.«

Ihr Job als Generalmusikdirektorin konfrontiert Mallwitz in den letzten zweieinhalb Jahre nicht nur mit den Gründen und Abgründen des Betriebs, sondern plötzlich auch mit denen der Kulturpolitik. Lange Zeit schwingt das Damoklesschwert einer Fusion mit der Staatskapelle Weimar über ihrem Orchester. Die Neuverhandlung der landesweiten Theater- und Orchesterverträge zieht sich hin, der Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff präferiert ein »Thüringer Staatstheater Weimar-Erfurt«, das eine Zusammenlegung beider Orchester vorsieht. Auch eine alleinige Fusion der Staatskapelle Weimar und des Philharmonischen Orchesters Erfurt zum »Staatsorchester« wird diskutiert. Die Strukturreform begleitet ein öffentlich ausgetragenes Hauen und Stechen zwischen den angezählten Institutionen. »Eigentlich versuche ich, auf der Bühne keine Emotionen zuzulassen, die sich auf anderes als die Musik beziehen. Aber da habe ich gemerkt, dass es gerade nicht geht, dass man das Menschliche nicht fernhalten kann, wenn es um das eigene Orchester geht«. Bei einem Konzert im Dezember 2015 hält sie nach der Pause eine Rede, für ihr Orchester und Publikum: Dass ein Orchester ein Organismus sei, der zusammenwachsen müsse und nicht beliebig geflickt und wieder zusammengesetzt werden könne. »Ich drehe mich danach um, fange mit Mahlers Erster an und merke, dass alle im Orchester sehr ergriffen sind, offener, durchlässiger. Und dann ist es so aufgebrochen, das Wir-Gefühl. Das war eines der besten Konzerte, die wir hier hatten.«

An eine Grenze stößt sie indes, als es nach der Uraufführung des Stücks Scattered Ways von Sarah Nemtsov zu Tumulten und Buhrufen kommt. [Hier spricht die Komponistin über diese Erfahrung im VAN-Interview]. Mallwitz hatte neben den »Expeditionskonzerten« die Reihe »Erfurts Neue Noten« initiiert, um jedes Jahr eine junge Komponistin in Erfurt vorzustellen, unter anderem mit einem speziell für ihr Orchester geschriebenen Stück. »Die Geschichte mit Sarah hat mich überrascht und in dieser Verhältnismäßigkeit ein bisschen geschockt. Gar nicht so sehr, dass mein Publikum sagt, wir finden es blöd und wollen das zeigen – besser so, als wenn alle so tun als ob. Aber diese Art, wenn einem etwas nicht gefällt, es dreimal so stark zu zeigen, das berührt Fragen des Respekts.«

Apropos Respekt, in der Vorbereitung auf unser Treffen stolpere ich über eine »Kritik« jenes Abends, die man so eher in einer schrillen Kommentarspalte vermuten würde. Der Musikkritiker der Thüringischen Landeszeitung schreibt darin: »Der jungen Komponistin fehlt es an solidem Handwerk, dieses Machwerk ist bestenfalls für den Basar geeignet, nicht aber für ein seriöses Konzert – anhaltende Buhrufe adelten das Publikum!« Was ist das eigentlich für ein mediales Umfeld, in dem sie sich hier bewegt? »Ganz ehrlich, ich lese das nicht. Meine Leute am Theater wissen auch mittlerweile, dass sie mir nicht mehr irgendwelche Pressemappen weiterleiten sollen. Ich glaube nicht, dass Sarah das geschadet hat, eher im Gegenteil.«

Wenn sie über die »Neuen Noten« spricht, schwingt ein wenig Ernüchterung und Enttäuschung mit. In unserem Gespräch im August 2014 hatte sie sich über die Haltung geärgert, die Rezeption zeitgenössischer Musik mit der kühlen Distanz des Besserwissers einzufordern: »Hier habt ihr eine zeitgenössische Komposition, das ist wichtige Musik, und wer aufsteht und geht, der hat keine Ahnung«. Ihr Wunsch, Musiker, Komponistin und Publikum in Kontakt zu bringen, hat trotzdem nicht so geklappt, wie sie es sich vorgestellt hatte, obwohl sie viel investiert habe, um Brücken zum Unbekannten zu legen. »Das ist ein wenig ein typisches Phänomen in kleineren Städten: Evita ist voll, Carmen und Beethoven 9. auch, egal, wie wir es spielen, das finde ich sehr schade. Das ist eine Sache, die mich frustriert, wo ich gehofft hatte, dass sich mehr Neugierde entwickelt.« Daneben bleiben die strukturellen Herausforderungen. Ihr Erfurter Orchester hat nur 59 Planstellen. Um eine Mahler-Sinfonie wuppen zu können, müssen Musikerinnen und Musiker der Thüringen Philharmonie Gotha einspringen. Außerdem helfen die zehn Nachwuchsmusiker der neugegründeten Orchesterakademie aus. Die ist eine der Zukunftsspuren, die Mallwitz in Erfurt hinterlassen wird.

Das alles spielt vielleicht rein in ihre Entscheidung, dass 2018, nach dann vier Jahren, Schluss ist in Erfurt. Sie fühlt sich wohl in der Stadt und mit ihrem Orchester, aber mit Anfang 30 wartet die Welt, ein neuer, größerer Möglichkeitsraum. Vorerst wird sie freiberuflich arbeiten. Macht ihr die Unsicherheit, wenn Netz und doppelter Boden der Festanstellung wegfallen, Angst? »Unterschwellig gibt es immer irgendwie eine Sorge. Ich sehe Kollegen, die ähnliche Stellen haben wie ich jetzt hier und nebenbei nicht so viel gastiert haben, und dann hinterher kommt nichts neues. Eine GMD-Stelle heißt nicht, dass danach alles von alleine passiert.« Fürs erste lindert die Sorge, dass der Kalender schon gut gefüllt ist. »Schade, dass die Frau Mallwitz 2018 geht«, sagt mein Sitznachbar zum Abschied. Aber wenigstens wisse man jetzt, was in Erfurt an Niveau möglich sei. ¶

Hartmut Welscher

... ist Herausgeber von VAN. Er studierte Development Studies, Ethnologie und Asienwissenschaften in Berlin, Seoul, Edinburgh und an der London School of Economics und arbeitete im Anschluss zehn Jahre als Berater in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. 2014 gründete er mit Ingmar Bornholz den VAN Verlag, wo er auch als Geschäftsführer fungiert.