Josepha Auernhammer erblickte am 25. September 1758 in Wien das Licht der Welt (jedenfalls ist der 25. ihr Tauftag); also wohl am selben Tag wie Wolfgang Amadeus Mozarts geliebte Cousine (»Bäsle«) Maria Anna Thekla Mozart. Wahrscheinlich bekam Josepha Auernhammer schon sehr früh Klavierstunden. Belegt sind ihre Studien diesbezüglich aber erst ab 1778; ab diesem Jahr war unter anderem Leopold Anton Koželuch (1747–1818) ihr Lehrer (seine eigenen Werke taugen immerhin heute noch zu Einsätzen bei gewissen – an »Durchhörbarkeit« interessierten – Radiosendern).

Josephas Eltern (ihr Vater arbeitete als Wirtschaftsrat) waren mit der Familie Mozart befreundet. Vater Leopold Mozart hielt, so Melanie Unseld, seinen Sohn Wolfgang dazu an, Kontakt zur Familie Auernhammer aufzunehmen. Ab 1782 erhielt Josepha dann Unterricht bei Wolfgang Amadeus Mozart – und half ihm bald bei der Drucklegung seiner sechs Sonaten für Klavier und Violine. Josepha verliebte sich in Mozart, was dieser selbst in einem (bei Unseld zitierten) Brief seinem Vater berichtete. Zu dieser Zeit hatte Josepha Auernhammer bereits den damals für eine Frau immer noch ungewöhnlichen Schritt in das rein professionelle Leben als Pianistin hinaus in die Öffentlichkeit unternommen. Unseld meint zu der potentiellen Mozart-Auernhammer-Liaison: »Ob es tatsächlich zu Annäherungsversuchen kam, ist ungewiss.« Es gab noch andere Befindlichkeiten zu berücksichtigen, auf die wohl Mozarts Vater immer besonders abzielte. Schließlich galt es beispielsweise, die Mannheimer Familie Weber nicht zu irritieren (aus der heraus Wolfgang Amadeus Mozart bekanntlich im August 1782 Constanze heiratete).

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Josepha Auernhammer war eine hervorragende Pianistin, mit der Mozart mindestens einmal gemeinsam an zwei Klavieren auftrat. Ab 1785 gab sie mehrere eigene Klavier-Akademien in Wien. Im Mai 1786 heiratete sie den Magistratsrat Johann Bessenig, der ihrer künstlerischen Laufbahn im Folgenden zumindest nicht im Wege stand (obwohl Josepha drei Kinder zur Welt brachte). Erst ab den 1790er Jahren publizierte Auernhammer ihre eigenen Werke. Und bis 1806 gab sie weitere Akademien im Burg- oder im Kärtnertortheater. Anschließend kam ihre – offenbar nicht genügend »romantische« (sondern eher geradlinige) – Art des Klavierspiels aus der Mode.

Am 31. Januar 1820 starb Josepha Auernhammer im Alter von 61 Jahren in Wien.


Josepha Auernhammer (1758–1820)
Sechs Variationen über »Der Vogelfänger bin ich ja« für Klavier

Nach eigener Auskunft soll Josepha Auernhammer im Jahr 1799 herum bereits 63 Werke komponiert haben. Das, was von ihrer Musik her bekannt (beziehungsweise publiziert) ist, beschränkt sich auf sechs Lieder, zwei Kammermusikwerke sowie etwa ein Dutzend Klavier-Solo-Stücke. Der Klavierwerkkatalog weist fast ausschließlich Variationen auf; eine beliebte Gattung der damaligen Zeit, da mit kollegialen Variationen auch einmal unbegabtere Komponisten (oder gar adelige Einflussnehmer aus Politik und Militär, sprich Dilettanten) aus taktischen Gründen bezirzt werden konnten. Das Thema der Sechs Variationen über »Der Vogelfänger bin ich ja« stammt allerdings von niemand Geringerem als Mozart höchstpersönlich.

Und Josepha Auernhammer erweist sich als eine Komponistin ihrer Zeit, die alle gängigen Spielarten des Variierens hervorragend beherrscht. In der ersten Variation heißt es zunächst einmal: figurieren – und virtuos »loslassen«. In Variation II wird glockig übergegriffen; ein Tupfer in der linken Hand, dann das orchestrale Spiel mit der linken Hand, die in Terzen über der rechten Hand Holzbläser imitiert. Eine variative Taktik, die in kaum einem Mozartschen Werk selbst fehlt! (Und Auernhammer rundet diese Variation sogar noch mit einem lustig-chromatischen Schleifen ab. Frech!)

Was macht man, wenn die Verliebtheit keine rechte Zukunft hat? Variationen mit Originalität und Biss, wie die Komponistin Josepha Auernhammer. In @vanmusik. Klick um zu Tweeten

In Variation III zeigt Auernhammer dann noch mehr Originalität und Biss. Komplementärrhythmisch wechseln sich humorvoll rechte und linke Hand ab, wobei in der linken Hand noch kecke Vorschläge eingebaut erscheinen. Das witzige Akkordklopfen wird aber nicht durchpenetriert, sondern durch allerlei Figurationen im Folgenden kontrapunktiert. Lohnenswerte, schöne Klavierliteratur! ¶

Arno Lücker

... ist Konzertveranstalter, Moderator, Komponist und Pianist. Er gestaltet innovative Konzertformate, arbeitet als Musik-Satiriker, schreibt Stücke für Solist:innen und Ensembles und Texte für VAN, die Wiener Philharmoniker, die New York Philharmonics und die Bamberger Symphoniker. 2019 war er als Schauspieler an der Volksbühne zu erleben.