Hat die Metropolitan Opera, die seit 2006 von Peter Gelb geleitet wird, einfach nur ein paar schwere Jahre hinter sich, oder sind die Missstände, die an einer Institution dieser Größenordnung besonders deutlich zutage treten, nur die Spitze des Eisbergs an Schieflagen, die die gesamte Klassikbranche durchziehen? Die letzten sieben Jahre in der Geschichte der Met lesen sich wie eine Zusammenfassung aller Probleme, mit denen sich Klassik-Institutionen aktuell konfrontiert sehen.
Im Jahr 2015 veröffentlichte der New Yorker einen Bericht über Streitigkeiten mit den Gewerkschaften, Cliquenwirtschaft der Vorstandsmitglieder und Konflikte zwischen dem traditionellen und dem innovativen Lager an der Met. Im Dezember 2017 berichtete die New York Post über Vorwürfe der sexualisierten Gewalt gegen den langjährigen Chefdirigenten der Met, James Levine, und löste damit eine Flut von Enthüllungen aus, die eine Vielzahl von Gerüchten bestätigte. Im Frühjahr 2020, als Covid in New York und der ganzen Welt wütete, setzte Gelb die Zahlung von Gehältern für Orchestermusiker:innen, Chor und Bühnenarbeiter:innen aus, was dazu führte, dass einige ihre Altersvorsorge für ihren Lebensunterhalt aufwenden mussten, in den Vorruhestand gingen oder wieder zu ihren Eltern zogen. Zuletzt entließ Gelb Anna Netrebko, die erfolgreichste Diva des Hauses, wegen ihrer Sympathie für Wladimir Putin.
Ich treffe Gelb an einem sonnigen Nachmittag in seinem Büro an der Met, er erholt sich gerade von einer Rückenoperation. Gelb ist herzlich und nahbar. Nachdem unsere 45 Minuten um sind, schaue ich auf meinen Notizblock und stelle fest, dass ich gerne noch mindestens zehn weitere Fragen gestellt hätte.
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