Was es mit dem ominös-antiken Begriff »Rundfunk« anno 2023 noch auf sich haben kann und soll, bleibt eine heikle Frage. Aber dass unsere vertraut-gegenwärtigen Rundfunkorchester eine zentrale Rolle in unserem Musikleben spielen, zeigten dieser Tage wieder mal zwei außerordentliche Konzerte des Deutschen Symphonie-Orchesters und des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin: hier dreifaches Debüt auf hohem Niveau, dort transkanalige Entrarung, will sagen, selten gespielte britische Musik vom Edelsten.
Das öffentlich-rechtliche Format »Debüt« gibt es (unter verschiedenen Namen) seit 1959, vielversprechende Grünschnäbel wie Jacqueline du Pré, Daniel Barenboim, Jessye Norman tauchten dort einst auf. Diesmal sind gemeinsam mit dem DSO in der Philharmonie eine Pianistin, ein Geiger und eine Dirigentin zu erleben, alle drei von unterschiedlichem Temperament, und alle drei nicht nur viel versprechend, sondern bereits sehr viel haltend. Da ist die Pianistin Danae Dörke, die in Felix Mendelssohn Bartholdys 2. Klavierkonzert d-Moll nicht nur mit schlangengleich fließender Körpersprache entzückt, sondern auch den Gesang des Adagio innig erfüllt und im Presto-Finale funkenschlagende Spannung erzeugt, ohne ihr immenses Können je bloß oberflächlich auszustellen. Das ist frei von allem motorischen Selbstzweck, alles ist Mittel zum Glück. Denn eben das strahlt Danae Dörkens Musizieren jederzeit aus: eigenes Beglücktsein durch das, was sie da spielt. Eine Erfahrung, die sich direkt aufs Publikum überträgt.

