Ich bin hier nicht fremd eingezogen, ganz im Gegenteil: Eigentlich ging ich lange Jahre davon aus, mit der Winterreise recht vertraut zu sein. Dann hörte ich kurz nacheinander 75 Aufnahmen des Zyklus und wagte es nach jeder Einspielung weniger, zu behaupten, das Werk zu kennen.
Die Wintersonnenwende liegt zwar hinter uns und die Tage werden nun offiziell wieder länger, aber wir haben trotzdem noch mehr als zwei Monate Winter vor uns. Um diese Zeit zu überbrücken, habe ich versucht, eine »ultimative« Playlist zusammenzustellen, die dem roten Faden des Schubert’schen Liederzyklus folgt, bei der aber alle 24 Lieder von anderen herausragenden Interpret:innen dargeboten werden. Einige von Ihnen werden vielleicht einwenden, dass der Sinn der Winterreise gerade darin besteht, einen Sänger auf seinem Weg von von Gute Nacht bis zum Leiermann zu begleiten. Macht man ja nicht umsonst für gewöhnlich so im Konzert. Bei der Zusammenstellung dieser Playlist habe ich aber auch festgestellt, wie gerade die Gegenüberstellung der Interpretationen neue Aspekte von Schuberts Musik und den Texten Wilhelm Müllers hervorbringt.
Wie auch immer: Ich denke, es ist an der Zeit, der Winterreise wieder fremd zu werden. Zumindest bis zur nächsten Sonnenwende.
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