Mit wem würdest Du gerne mal einen Abend lang Mahlers Neunte hören, Rotwein trinken und laut über Bewusstseinserweiterung nachdenken? Regisseur und Schauspieler Charly Hübner wünschte sich auf diese Frage hin »Gesamtkunstwerk« Rocko Schamoni als Gesprächspartner für die nächste Bunkersalon-Ausgabe: »tranzendeath« (am 4. Juni im resonanzraum auf St. Pauli). Im September wird Hübner außerdem mit dem Ensemble Resonanz eine Winterreise des Versagens als Teil einer »Séance zwischen Nick Cave und Franz Schubert« nach Rostock und Hannover und im November auf die Bühne der Elbphilharmonie bringen. Arno Lücker rief Charly Hübner aus der Herrengarderobe des Staatstheaters Nürnberg an – und erwischte ihn zuhause in Hamburg bei der Adorno-Lektüre (Mahler. Eine musikalische Physiognomik, »ganz schön anstrengend zu lesen«).
VAN: HABEN SIE ALS PRIVATMANN ODER ALS SCHAUSPIELER ZU MAHLER GEFUNDEN?
Charly Hübner: Das kann ich so gar nicht beantworten. Mit Klassik hatte ich früher nichts zu tun. Ich bin durch meine Eltern mit Schlagermusik groß geworden und habe mich dann früh für Metal entschieden. Metal hat mir immer mehr gegeben als diese Lebenslügen der Schlagerwelt… Nach dem Abitur wohnte ich bei einer Freundin, die Dramaturgin am Theater Neustrelitz war. In ihrer Wohnung stand eine Mahler-Schallplatten-Edition herum. Ich glaube, das war die Aufnahme mit Václav Neumann und der Tschechischen Philharmonie Prag oder die von Rafael Kubelík mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Die Cover haben mich angesprochen. Ich habe die erste Platte aufgelegt, die dritte Sinfonie, dann die Fünfte und dann die Erste. Ein paar Tage später merkte ich: Die Fünfte ist total hängen geblieben. Das ist ja letzten Endes ein Riesen-Theater, was Mahler da veranstaltet. Ich habe alles auf Kassette überspielt und bin mit dem Walkman, Mahler hörend, durch die Mecklenburgischen Wälder gezogen. Von der Intensität her entsprach das für mich dem, was die großen Black-Metal-Bands machen.

