Im ICE war ich wieder auf Tschaikowsky gekommen, mit ihm macht Eisenbahnfahren noch Spaß, und im Finale der Fünften kann man sogar so etwas wie eine vor Sehnsucht außer Kontrolle geratene Dampflok über die Schienen rasen sehen. Aber jetzt war mir nach einem Scherzo, und ich suchte auf Youtube nach dem aus der Zweiten Sinfonie, die nicht so oft gespielt wird. Ich hatte es als genial in Erinnerung, seit ich die Sinfonie vor wirklich sehr vielen Jahren in einem Jugendsinfonieorchester gespielt hatte. Wie genau ich es wirklich im Kopf hatte, wurde mir klar, als ich eine Aufnahme mit Bernstein aus den frühen 1970ern anstellte, New York Philharmonic. Unpräzise, schwammig und drüberweg, zügiges Tempo, und doch klangen die Achtel im Dreiachteltakt unausgeschlafen. Also nee. Nächster: John Eliot Gardiner dirigiert das Concertgebouworkest, Liveaufnahme von 2012. Viel präziser alles, aber ohne Biss und Witz und Drang. Je länger ich da hineinhörte, desto mehr wusste ich, wie das Stück sein muss. Desto mehr sah ich, wie Anton es dirigierte, wie er es mit uns geprobt hatte, donnerstags in einer Schulaula in Hannover.


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…lebt als Buchautor, Journalist und Musiker in Norddeutschland. Er studierte Viola in Hannover, war Feuilletonredakteur in Hannover und Leipzig und ist seit 1996 selbstständig als Autor u.a. für ZEIT und Deutschlandfunk. Im Rowohlt Verlag erschienen von ihm »Bachs Welt« (2016), »Der Klang von Paris« (2019) und »Flammen. Eine europäische Musikerzählung 1900–1918« (2022). Ein viertes Buch ist in Arbeit.