Runde Zahlen, mit Bezug auf das Jahr der Geburt oder das Todesjahr von Komponisten wirken manchmal ziemlich zufällig, als Rechtfertigung für Musik, die sowieso ins Programm gekommen wäre. Nicht so die 450. Wiederkehr von Monteverdis Geburtstag. Seine Opern sind wichtige, universelle Signale dafür, dass wir Menschen schon immer die selben Mühen und Kämpfe hatten, dass wir vieles schon einmal erlebt haben: Die Zahl 450 rückt die Dinge irgendwie in die richtige Perspektive. Der Dirigent John Eliot Gardiner, sein Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists werden zu diesem Anlass mit Monteverdis drei Opern, seinen Vespern und Madrigalen und Musik von anderen Komponisten auf Tour gehen, nächstes Jahr von April bis Oktober. Ich sprach mit ihm per Telefon, er war zuhause in North Dorset (England).
VAN: In Monteverdis Oper L’incoronazione di Poppea sagt der Philosoph Seneca zu Kaiser Nero: »Ungerechte Taten offenbaren einen Mangel an Selbstvertrauen«. Der Kaiser antwortet: »Es ist immer derjenige am gerechtesten, der am meisten Macht auf sich vereint.« Wie ist es für Sie, dieses Stück im aktuellen politischen Klima aufzuführen?
John Eliot Gardiner: (lacht) Die Entscheidung, die Poppea aufzuführen war nicht motiviert von Trump oder anderen katastrophalen Ereignissen der letzten Monate. Aber jetzt, da Sie das Thema erwähnen, passt es auf eine merkwürdige Weise natürlich schon zu dem, was gerade in der Welt passiert: die Unsicherheit und das Potenzial für katastrophale Veränderungen um uns herum. Es ist sehr beunruhigend.

