Am 17. Dezember endete das Actus Humanus-Festival für Alte Musik in Danzig. Ich habe dort das Abschlusskonzert mit dem Cembalisten Christophe Rousset, Sopranistin Ann Hallenberg und dem Ensemble Les Talens Lyriques angehört. Das Programm, vokale und instrumentale Stücke, war inspiriert vom Oscar-gekrönten Film über den berühmten Kastraten Farinelli. Les Talens Lyriques hatten 1994 den Soundtrack eingespielt, den sie in Danzig wieder auf die Bühne brachten. (Der Vollständigkeit halber: Das Festival hat meine Flüge und meinen Hotelaufenthalt bezahlt, deswegen habe ich keine Rezension geschrieben).
Das Konzert fand in einer großen Kathedrale statt, die alten Mauern rot und blau angestrahlt, viel Publikum, viel Presse. Eine Crew filmte sogar mit einem großen Kamera-Kran. Manchmal wirkte es, als würde dieser Kran mit der Musik interagieren, er schien über das Publikum zu schweben wie eine riesige metallene Schlange, die dem Beschwörer nicht folgt. Ich traf Rousset am nächsten morgen vor dem Frühstück. Er trug einen beigen Rollkragenpullover und ein silbernes Armband. Wir sprachen über vergessene Italiener, die Rolling Stones und Notfall-Cembalo-Reparaturen.
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