Seit dem Euromaidan florierte die zeitgenössische Musik in Kyiv und anderen ukrainischen Städten, bis zum Beginn des russischen Angriffs im Februar 2022, berichtet der Komponist und Pianist Albert Saprykin, der 2015 mit drei befreundeten Musikern die Konzert- und Bildungsplattform Kyiv Contemporary Music Days (KCMD) ins Leben rief. In Berlin, wo Saprykin seit einigen Monaten lebt, veranstaltet KCMD jetzt zusammen mit dem Ensemble KNM und dem ensemble mosaik ein Festival mit Werken ukrainischer wie internationaler Komponist:innen vom Soloinstrument bis zur größeren Besetzung, interpretiert von einflussreichen ukrainischen Musiker:innen wie Nazarii Stets (Kontrabass), Vladyslav Indyk (Gitarre) und Viktor Rekalo (Cello) und Mitgliedern der beiden Ensembles. Für die Konzertprogramme und die Organisation zeichnen ebenfalls beide Ensembles in Zusammenarbeit mit KCMD verantwortlich. Am 1. Juli 2023 ist in der Berliner Villa Elisabeth der zweite Teil des Festivals zu erleben: das Multimediaprojekt listening cities : kyiv mit Interviews, Liveperformances und Aufnahmen sowie das Konzert “…So They Grow Like Sunflowers” mit Music von Anna Korsun, Anna Arkushyna, Rebecca Saunders, Clemens Gadenstätter, Anton Koshelev, Adrian Mocanu und Kaija Saariaho.

Ich treffe Albert Saprykin, der in Graz und Kyiv Klavier und Komposition studierte, in einem Café in einer ruhigen Seitenstraße in Berlin-Friedrichshain. Er ist müde, schläft seit langem schlecht, auch weil ihn nachts neben Nachrichten aus der Ukraine noch immer die Smartphone-Warnungen vor Luftangriffen auf Kyiv wach halten – er hat sie nicht ausgeschaltet, als er nach Berlin kam. Dennoch nimmt er sich Zeit, ausführlich über Neue Musik in und aus der Ukraine zu sprechen.

Wir steigen chronologisch ein, mit der Gründung der Kyiv Contemporary Music Days. Eigentlich wollte Saprykin 2015 zunächst nur ein Konzert in Kyiv spielen, mit seinen Studienfreunden Francisco Morais Franco (Gitarre), Darko Horvatic (Klarinette) und Junya Makino (Geige) – und damit mit einer Besetzung, für die die vier erstmal (ohne jedes Budget) einen Kompositionsauftrag ausschreiben mussten. Die Resonanz war groß, auch die sechs für das Konzert ausgewählten Komponisten wollten nach Kyiv kommen, und so wuchs das Projekt schnell …


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... machte in Köln eine Ausbildung zur Tontechnikerin und arbeitete unter anderem für WDR3 und die Sendung mit der Maus. Nach einem Schulmusik- und Geschichtsstudium in Berlin und Bukarest gibt sie Seminare in Musikwissenschaft und Musikjournalismus und ist Redakteurin bei VAN. merle@van-verlag.com