Kunstwerke sind meist schlauer als ihre Schöpfer. In der Regel verraten sie mehr über verdeckte Verbindungen, Beziehungen, Einflüsse als die Äußerungen oder Einlassungen ihrer Autoren vermuten lassen. Eine Erfahrung, die in Zeiten epidemischer Polarisierungen nicht oft genug betont werden kann. Zum Auftakt eines neuen Ring-Zyklus hat die Oper Dortmund Ende Mai diesen Befund am Beispiel der deutsch-französischen Musikverhältnisse zwischen Second Empire und Erstem Weltkrieg durchgespielt – mit Wagners Walküre, Guirauds / Saint-Saëns’ Frédégonde, Spontinis Fernand Cortez und einem hochkarätig besetzten Symposium – ein mustergültiger, weit über das historische Thema ausgreifender Versuch, die Kurzschlüsse nationalistischer Kulturnarrative zu beschreiben.
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