»Feuerstöße ins Klangfleisch«, so überschrieb 1987 die Frankfurter Rundschau ihre Rezension der Uraufführung von Wolfgang Rihms Hamletmaschine in Mannheim. Das »Musiktheater in fünf Teilen« zum gleichnamigen Text von Heiner Müller wurde auch in Freiburg und 1988 in Hamburg produziert, dann nie wieder – auch wegen der extremen Anforderungen an die Solist/innen, zu denen noch Schauspieler/innen, Chor und 128 Musiker/innen kommen. Jetzt wagt sich das Opernhaus Zürich an das eruptive Werk, Premiere ist am 24. Januar. Sebastian Baumgarten führt Regie, sein einstiger Berliner Kommilitone Gabriel Feltz ist der Dirigent.
Feltz, 1971 in (Ost-)Berlin geboren, fiel als Experte der Moderne zuletzt mit der erfolgreichen Produktion der Soldaten an der Komischen Oper Berlin auf – einer Koproduktion mit Zürich. Von 2004 bis 2013 machte er als Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker mit innovativen Programmen Furore, jetzt ist er Generalmusikdirektor in Dortmund. Volker Hagedorn sprach mit ihm über die Hamletmaschine, die Hindernisse, auf die Musik der Moderne stoßen kann, seine eigene Ochsentour ans Dirigentenpult und seine Erfahrungen der niedergehenden DDR, die er in Heiner Müllers Text und Rihms Musik gespiegelt sieht.

VAN: Über La Valse von Maurice Ravel haben Sie mal gesagt, da entwickele sich die Welt der Jahre 1906 bis 1920 in dreizehn Minuten. Wie ist es mit den 110 Minuten der Hamletmaschine von Wolfgang Rihm? Wird auch da Zeitgeschichte gespiegelt?
Gabriel Feltz: Da stecken auf jeden Fall die 80er drin. Auch wenn es vor dem Fall des Eisernen Vorhangs komponiert worden ist, spiegelt sich diese Brüchigkeit, die Schlussetappe des Kalten Krieges. Da gibt es diesen Monolog mit dem Satz »Ich bin der Soldat im Panzerturm«, da gibt es Demonstranten, es fliegen Steine. Ich bin ja aus der Ex-DDR und habe 1989 in Berlin erlebt, wie es da auf des Messers Schneide stand, durch die Gewalttätigkeit seitens der Staatsorgane. Das ist in dem Stück schon drin, denke ich, auch durch den Text von Heiner Müller.

