Eine schmale Frau mit mittellangen grauen Haaren tritt ans Mikrofon: Im bläulichen Bühnenlicht wirkt sie weltentrückt und zerbrechlich. Umso mehr überrascht die Kraft ihrer Stimme, die Kaskaden verblüffender Klänge in den Saal sendet: Summen, Surren, Seufzen; klappernde Glottis-Schläge, kehliges Zwitschern, nasales Stöhnen. Mal a cappella, mal von elektronischen Soundscapes begleitet, lotet sie jeden Winkel ihrer Stimme aus und folgt dem sanften Sing-Sang mit anmutigen Bewegungen ihrer schlanken Hände.
Als Sängerin und Komponistin hat Joan La Barbara die experimentelle klassische Musik der letzten 50 Jahre entscheidend geprägt. Sie hat eng mit ihren prominentesten Vertretern zusammengearbeitet – darunter Steve Reich, Philip Glass, John Cage, Morton Feldman und viele andere. Schon früh begann sie damit, eigene Werke zu veröffentlichen.
Ich treffe sie in der Lobby des Berliner Hotel Henri im Vorfeld ihres Auftritts bei MaerzMusik. Trotz Jetlags ist sie mit Konzentration und Ernsthaftigkeit bei der Sache.
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