In Berlin kann der emsige Konzertgänger jede Woche sein eigenes Kammermusikfestival kuratieren. Er kann da zum Beispiel am Montag exquisites Trio hören, am Dienstag spannungsreiches Quartett, am Mittwoch fein nachdenkliches Duo.

Dazu muss er nicht mal in den Kammermusiksaal der Philharmonie pilgern, der mit seinen 1.200 Plätzen so groß ist wie andernorts »Große Säle« und wo man, um ehrlich zu sein, nur auf dem kleineren Teil der Plätze exzellent hört. Die beliebten Rundsäle sind gerade bei Kammermusik tückisch. Der Pierre Boulez Saal ist auch ein Rundsaal, aber hat nur gut die Hälfte der Kammermusiksaalplätze, und im Parkett hört man überall gut, wenn man nicht gerade im Rücken eines Sängers sitzt. Der Kleine Saal des Konzerthauses aber hat sogar nur ein Drittel und prima Schuhkartonform: mein Berliner Traumraum für Kammermusik. Auch oder gerade weil ein befreundeter Geiger mir mal verriet, dieser Kleine Konzerthaussaal mit seinen akustischen Tücken sei für Musiker eine harte Herausforderung, während der Kammermusiksaal »für Weicheier« wäre, denn da klinge automatisch immer alles gut. (Wobei ich ergänzen würde: wenn man in Block A sitzt.)


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com