Vorletzte Woche machte die Nachricht die Runde, dass Hans Werner Henzes Villa »La Leprara« bei Marino am Albaner See in der Nähe von Rom verkauft wird. Henze lebte und arbeitete dort von 1966 bis 2012. Hier entstanden nicht nur die meisten seine Werke, die Villa war auch eine Begegnungsstätte Bildender Künstler, Musiker und Schriftstellerinnen. Rudi Dutschke fand hier 1968 kurzzeitig Asyl und kurierte die Folgen seiner Attentatsverletzungen aus. Nach Henzes Tod ging das Gebäude zunächst in den Besitz der Henze-Stiftung über. Weil kein Träger gefunden werden konnte und der Unterhalt des Hauses erhebliche Kosten verursachte – die Wohnfläche beträgt über 500 Quadratmeter, dazu kommt ein über ein Hektar großes Grundstück mit Tennisplatz, Schwimmbad und 80 Olivenbäumen –, steht ein Verkauf des Hauses seit Jahren im Raum. Hartmut Welscher hat mit Michael Kerstan, dem letzten Lebensgefährten von Hans Werner Henze und Geschäftsführer der Hans-Werner-Henze-Stiftung, über das schwierige Erbe, Henzes Arbeitsalltag und Inspirationsquellen und die Gründe für dessen Auswandern nach Italien gesprochen.

VAN: Vor zwei Wochen machte die Nachricht die Runde, dass ›La Leprara‹ verkauft wird. Wie ist der Stand heute?
Michael Kerstan: Das Haus ist gerade verkauft worden, Montag war der Notartermin. Jetzt warte ich auf die Überweisung des Geldes und dann ist das Kapitel abgeschlossen.

