Vielleicht ist es eine ganz gute Idee von Joana Mallwitz, sich für eine Vorstellungsreihe in den dunklen Graben der Oper zu begeben – angesichts des aufgestauten Erwartungsdrucks an die neue Chefdirigentin des Berliner Konzerthauses und der Tatsache, wie sehr das Visuelle ihres Dirigierens betont wird, ihre physische Präsenz fürs Publikumsauge. Aktuell hängen in Berliner U-Bahnhöfen Mallwitz-Plakate, die ich mit sehr gemischten Gefühlen wahrnehme: DIE MUSIK, DIE ENDORPHINE & DU. Joana Mallwitz muss aufpassen, nicht von gewissenlosen Agenturen verheizt zu werden.

Mit der Staatskapelle, die Mallwitz für eine winterliche Wiederaufnahme-Serie des Rosenkavalier leitet, steht ihr ein erststraussiges Orchester zur Verfügung, sicher kein Nachteil für die Opernexkursion. Obwohl die Kapelle das, wie man grässlich sagt, »drauf hat«, drückt Mallwitz diesem Strauss hörbar ihren Stempel auf: hoher Schwung, entfälligtes Klangbild, keine zu große Zuckerschwere. Im ersten Aufzug gibt es Passagen, in denen mir das initiative Mozart-Vorbild dieser Oper nicht ganz so absurd erscheint, wie es sonst eigentlich immer der Fall ist.

