Die beiden deutschen Pianisten Andreas Grau (*1965) und Götz Schumacher (*1966) sind als GrauSchumacher Piano Duo ein Klavierduo. In 43 Jahren gemeinsamen Musizierens haben sie sich sowohl der experimentellen Avantgarde als auch dem romantischen Kernrepertoire gewidmet. Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, Helmut Lachenmann, Wolfgang Rihm, Peter Eötvös, Philippe Manoury, Jan Müller-Wieland und Brigitta Muntendorf haben ihnen Kompositionen gewidmet und ihnen die Uraufführung anvertraut. Dabei haben die beiden alle Aspekte dieser kammermusikalischen Zweiheit erforscht und weiterentwickelt: Klavier vierhändig an einem Instrument, das Konzertieren an zwei Flügeln und die »große Kammermusik« mit zwei Klavieren und Orchester.
Bei aller Exzellenz hat mich vor allem die Lebendigkeit eingenommen, mit der sie der Musik und ihren Musizierpartnern immer wieder aufs Neue begegnen. Nachdem ich GrauSchumacher im Konzerthaus Blaibach in der Klavierfassung des Brahms Requiems als Chorsängerin erleben konnte, findet unser Gespräch Ende Februar zwischen Probe und Konzert in der Stuttgarter Musikhochschule statt, einem ihrer früheren Studienorte.
VAN: Wie sieht euer Arbeitsprozess aus?
Götz: Wir besprechen sehr viel. Jeder entwickelt eine Idee, wie man ein Stück versteht, was es ausdrücken soll. Darüber zu sprechen führt zu einer viel stärkeren Bewusstwerdung auch des eigenen Spiels – nicht bloß machen und der andere soll sich entweder anpassen oder nachmachen. Ich muss mir Rechenschaft ablegen, warum ich das so tue. Timing und Rubato zum Beispiel versuchen wir genau zu definieren.

