Am 14. April gab der russische Pianist Alexei Lubimov zusammen mit der Sängerin Yana Ivanilova ein Konzert im DK Rassvet, einem Veranstaltungsort im Zentrum Moskaus, in dem, ähnlich wie im Berliner Silent Green, gleichermaßen Konzerte wie Kulturevents und Clubnächte stattfinden. In der zweiten Konzerthälfte – Lubimov spielte gerade zwei Impromptus aus Schuberts D. 899 – betraten zwei uniformierte Polizisten den Saal und forderten das Publikum auf, das Gebäude zu verlassen, weil es eine Bombendrohung für das DK Rassvet gegeben habe.
Lubimov unterbrach sein Spiel nicht. Die Polizisten verharrten einige Minuten lang in der Nähe der Tür, um schließlich doch zu Lubimov an den Flügel zu kommen, um ihm Einhalt zu gebieten. Lubimov beendete die packende, taumelnde Coda des zweiten Impromptus – die innerhalb weniger Takte von H-Dur nach Es-Dur moduliert – mit den zwei Polizisten, die ihre Ratlosigkeit auch hinter ihren Masken nicht verbergen konnten, direkt hinter sich. Ein Video des Vorfalls ging viral. Für VAN rekapituliert Lubimov am Telefon in einer ausdrucksstarken Mischung aus Englisch und Deutsch den Abend – sein erstes Interview seit dem Konzert.
VAN: Was ist bei dem Konzert passiert?
Alexei Lubimov: Vor zwei Monaten haben wir das Programm mit Valentin Silvestrovs Vokalzyklus Steps mit der Sängerin Yana Ivanilova und den Impromptus Op. 90 und Liedern von Schubert bekannt gegeben. Wir hatten das schon länger geplant und haben es normal beworben. Es war überhaupt nicht gewagt. Am Tag des Konzerts hat der Direktor des Saales [Alexej Munipow] dann plötzlich einen Anruf bekommen – ich weiß nicht, von welchen Behörden – mit der Aufforderung, das Konzert abzusagen. Er meinte, dass er es nicht absagen könne, weil es ausverkauft sei, und dass das Programm in keiner Weise problematisch oder gefährlich sei.

