Patricia Lockwood schrieb 2019 einen Essay über John Updikes komplettes Œuvre, mit dem Hinweis, dass sich dieses Vorhaben anfühle wie ein »extravaganter Gesamtwerk-Stunt, ähnlich diesen Buzzfeed-Artikeln mit Rankings aller jemals ausgestrahlten Glücksbärchis-Folgen«. In diesen heiligen Pantheon der Gesamtwerkrankings möchte ich mich neben den Glücksbärchis einreihen mit meiner Bewertung sämtlicher Schubert-Lieder (und meinem ebenso absurden Überblick über alle 559 Scarlatti-Sonaten).Für alle, die nicht schon längst runtergescrollt haben, um ihr Lieblingslied zu finden, hier vorweg einige Anmerkungen: Seit mehr als einer Dekade höre ich jetzt Schubert. Die deutsche Sprache beherrsche ich recht gut. Allerdings habe ich für dieses Unterfangen keine Noten studiert oder Texte nachgeschlagen. Ich habe vielmehr versucht, die Lieder wahrzunehmen wie jemand, der sie zum ersten Mal hört (was in meinem Fall auch bei vielen zutraf). Ein seriöses Studium aller 672 Schubert-Lieder ist – wie der Pianist Graham Johnson mit seiner legendären Gesamteinspielung beweist – eine Lebensaufgabe. Ich habe mit meinen 40 bis 50 Stunden Hören nur einen bescheidenen ersten Schritt auf diesem Weg gemacht.
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