Als Pekka Kuusisto sich für das Interview in den Videocall einwählt, bin ich überrascht, wie ähnlich wir uns sehen: zwei Brillen, viel zu kurzes dunkelblondes Haar und zwei nicht ganz unähnliche Pullover – meiner ein dunkelgrüner Fleece, den ich mir von meinem Vater geliehen habe, seiner ein flaschengrüner Strickpullover, den seine Schwiegermutter während des Lockdowns für ihn gemacht hat. Kuusisto lacht viel, aber immer wieder schimmern auch dunklere Töne durch. Er hat helle Augen und einen Mund, dessen Winkel nach unten zeigen.
Hinter dem regelmäßigen Lachen steckt eine Menge Ärger. Der Geiger und Dirigent ist gerade auf dem Weg nach Norwegen zu einem Konzert mit dem Norwegian Chamber Orchestra und der samischen Sängerin Katarina Barruk. »Es ist ein bisschen aktueller geworden, als wir eigentlich wollten«, sagt er. Das Committee on the Elimination of Racial Discrimination der Vereinten Nationen verurteilte die finnische Regierung schon vor den jüngsten Wahlen für ihre Behandlung der Sámi. Jetzt, nachdem die Mitte-Links-Premierministerin Sanna Marin abgewählt wurde und das Land weiter nach rechts rückt, sind die ohnehin schon geringen Aussichten der Sámi auf Besserung laut Kuusisto noch trüber geworden. In den ersten Minuten unseres Gesprächs streift er eine Reihe politischer Themen: die Sámi, Greenpeace, Just Stop Oil, seine Enttäuschung darüber, dass es kein finnisches Pendant zur britischen Gruppe Led By Donkeys gibt. Er hat eindeutig viel auf dem Herzen.
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