»Welche Demütigung wenn jemand neben mir stund und von weitem eine Flöte hörte und ich nichts hörte oder jemand den Hirten singen hörte, und ich auch nichts hörte: solche Ereignisse brachten mich nahe an Verzweiflung, es fehlte wenig, und ich endigte selbst mein Leben – nur sie die Kunst, sie hielt mich zurück.« Auf der Bühne steht ein hörgeschädigter Jugendlicher und rezitiert das Heiligenstädter Testament. Ludwig van Beethoven beschreibt darin auf eindringliche Weise das Schicksal des eigenen Hörverlusts, vor allem aber seine dadurch erlittene gesellschaftliche Isolation. Ich kann hören, dass der Sprecher trainiert hat, deutlich wichtige Worte betont und den historischen Text mit großer Ernsthaftigkeit vorträgt. Im Wechsel mit den gelesenen Zeilen zeigen weitere Schüler:innen des Bildungs- und Beratungszentrums für Hörgeschädigte Stegen (BZZ) deren Übersetzung in Gebärdensprache. Sie stehen dazu am vorderen Bühnenrand, einige mitten im Orchester. Der Inhalt des Textes wird so im wahrsten Sinne des Wortes greifbar.
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