»Ich hab’ Ihnen ja gesagt, ich rede viel«, sagt sie lachend nach einer Stunde, der eine weitere folgt. Der Ort unseres Treffens zeigt, wie gut vernetzt die Pianistin Ragna Schirmer in ihrer Wahlheimat Halle ist: Einen Konferenzraum der IHK hat sie organisiert, Kaffee und Wasser stehen bereit, auch das Laptop der Musikerin. Schirmer ist die Klaviersolistin im neuen Ballett Clara an der Oper Zürich. Aber nicht nur um ihre Kollegin Clara Schumann geht es im Gespräch, auch um das immer noch zweiteilige Deutschland. Um ihren Werdegang, um Paris und die Goldbergvariationen … 1972 in Hildesheim geboren, lebt Ragna Schirmer seit 1996 in Halle und blieb dort auch, als sie zwölf Jahre lang eine Klavierprofessur in Mannheim hatte. Seit 15 Jahren bildet sie an der Europaschule Halle Hochbegabte aus. Ansonsten ist sie als Konzertpianistin unterwegs. Und heimisch im Puppentheater Halle, das sie ihr »großes Lebensglück« nennt.
VAN: Seit wann befassen Sie sich mit Clara Schumann?
Ragna Schirmer: Das sind jetzt schon 30 Jahre! Ich habe Anfang der 1990er angefangen, mich intensiv mit Clara zu beschäftigen. Bei ihrem 100. Todestag 1996 kam sie in der öffentlichen Wahrnehmung noch kaum vor. Anfang der 2000er merkte man, wie mehr und mehr Frauenfiguren in den Fokus rückten. Dann kam 2019 Claras 200. Geburtstag, dafür befasste ich mich noch intensiver mit ihr, mit ihrer Rolle als Interpretin, Pianistin, Unternehmerin, als Frau des 19. Jahrhunderts, als Mutter… Ich habe ihre historischen Programme rauf und runter gespielt, drei CDs dazu herausgebracht, und war daher mit dem Thema sehr präsent.

