Der Boden, auf dem das klassische Musikleben in Deutschland wurzelt, erodiert: In sämtlichen Bundesländern mangelt es den allgemeinbildenden Schulen an Musiklehrkräften, allein an Grundschulen fehlten im Jahr 2020 23.000 ausgebildete Musiklehrer:innen – Tendenz steigend. Der Unterricht fällt vielfach komplett aus oder wird »fachfremd« unterrichtet, also von Personal, das nicht entsprechend ausgebildet ist (das Ergebnis ist nicht zwangsläufig schlecht, doch die Gefahr besteht). Diese Entwicklungen erklären vermutlich zumindest in Teilen auch das aktuelle Eindampfen der Unterrichtszeiten im Fach Musik in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen (in Thüringen beispielsweise besuchten 2020 9,6 Prozent der Kinder Grundschulen, an denen durch einen entsprechenden Lehrkräftemangel überhaupt kein Musikunterricht stattfinden konnte). Kann Musik in der Schule nicht als Leidenschaft, Talent oder Berufsperspektive entdeckt werden, entscheiden sich wiederum weniger junge Erwachsene für ein Musiklehramtsstudium (die Zahl der Neuimmatrikulierten in den Musiklehramtsstudiengängen sank deutschlandweit seit 2019 um etwa 16 Prozent), die Löcher im Fundament werden immer größer. »Wenn es niemanden gibt, die oder der gut und qualifiziert Musik unterrichten kann, dann schafft sich das Fach von unten ab«, fasst Musikpädagogik-Professorin Rebekka Hüttmann diese Entwicklung in VAN zusammen.
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