An den Grundschulen Deutschlands lernen Kinder nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen. Das zeigen Studien immer wieder, jüngst die aktuelle PISA-Studie (veröffentlicht im Dezember 2023). Schon vor einem Jahr berichteten wir über die Gefahr, dass der Musikunterricht an Grundschulen gekürzt werden könnte, um einen noch stärkeren Fokus auf die »basalen Kompetenzen«, auf Mathematik und Deutsch, legen zu können. »Möglicherweise wird die eine oder andere Musikstunde ausfallen, um Deutsch- und Mathematikstunden zu sichern«, orakelte damals Olaf Köller, Vorsitzender der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz. In Bayern macht Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) jetzt Ernst und lässt an Grundschulen Musik, Kunst und das bisherige Fach »Werken und Gestalten« zu einem Verbundfach zusammenrücken, um auf der Stundentafel (die festgelegt, in welchem Umfang die einzelnen Fächern in den jeweiligen Jahrgangsstufen unterrichtet werden sollen) mehr Deutsch- und Mathematikunterricht unterzubringen.
»PISA-Offensive« nennt Kultusministerin Stolz ihre Umstrukturierung der Grundschul-Stundentafel. Künftig sollen in allen vier Jahrgangsstufen eine weitere Stunde Deutsch und in den Klassen 1 und 3 eine weitere Stunde Mathematik unterrichtet werden. Wo zugunsten dieser beiden Fächer gekürzt werden könnte, wurde in den vergangenen Wochen erbittert diskutiert. Markus Söder wehrte sich vehement, unterstützt von den Kirchen, gegen Einsparungen beim Religionsunterricht (der in Bayern mit jeweils zwei Wochenstunden in der ersten und zweiten Klasse und sogar drei Wochenstunden in der dritten und vierten Klasse vergleichsweise viel Raum einnimmt), Stolz war gegen jede Kürzung beim Schulsport. Gleichzeitig war man sich einig darin, dass sich die gesamte Unterrichtszeit pro Woche nicht erhöhen sollte.

