Maiko Kawabata ist Geigerin und lehrt und forscht als promovierte Musikwissenschaftlerin am Royal College of Music in London und an der Open University. In ihrem Artikel The New ›Yellow Peril‹ in ›Western‹ European Symphony Orchestras untersucht sie mithilfe von ethnologischen Methoden rassistisches Verhalten gegenüber Musiker:innen mit ostasiatischem Hintergrund. Es geht dabei sowohl um rassistische Vorurteile bei Probespielen als auch um Diskriminierung an Hochschulen und im Orchesteralltag. Ich spreche mit Kawabata über den Einfluss der eigenen Biografie auf die wissenschaftliche Methodik, über Empowerment von Musiker:innen und Strukturen, die dieses ermöglichen.
VAN: In Ihrem Artikel untersuchen Sie die Benachteiligung und Diskriminierung von ostasiatischen Musiker:innen in westeuropäischen Orchestern und an Musikhochschulen. Welche Rollen hat dabei die analytische Autoethnographie gespielt und die Tatsache, dass Sie als Insiderin zu diesem Thema forschen?
Maiko Kawabata: Ich denke, dieses Projekt konnte nur zustande kommen, weil es auf meiner persönlichen Erfahrung basiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein externer Wissenschaftler, der auf ostasiatische Musiker:innen zugeht, um irgendwie objektiv über ihre Erfahrungen zu forschen ohne einen eigenen Einblick in das Problem zu haben, so ein Projekt machen könnte. Ich glaube nicht, dass man diese Studie einfach aus dem Nichts, im Sinne eines rein objektiven Blicks von außen, hätte machen können. Ich habe nicht nach diesem Projekt gesucht, es hat mich gefunden.

