Ich treffe Ruth Reinhardt an einem kalten Juninachmittag in der Lobby eines Hotels an der Avenida Paulista, dem wirtschaftlichen Zentrum São Paulos. Das merkwürdige Ufogefühl eines Fünf-Sterne-Hotels: Wir könnten genauso gut in Tokio, Kapstadt oder Denver sein. Eine Nacht hier kostet den normalen Besucher mehr als 60 Prozent der Brasilianer:innen im Monat zum Leben zur Verfügung steht. Und wenn man von hier aufbricht zum Sala São Paulo, dem Konzertsaal der Stadt, führt der Weg mitten durch Cracolândia – das Land des Cracks. 

Reinhardt ist zum ersten Mal in Südamerika, sie hat vorab privat eine Woche Peru vorangestellt. Am nächsten Tag wird sie beim Orquestra Sinfônica do Estado de São Paulo (OSESP) debütieren, unter anderem mit Martinůs 4. Sinfonie, die sie im April bereits in Berlin dirigierte. Über das Konzert schrieb Albrecht Selge in VAN: »Unter Reinhardt, bei der Kompetenz und Energie perfekt austariert sind, gelingt dem Orchester ein erstklassiges Martinů-Plädoyer, so wohlgeschichtet und rund schwingt das alles.« 


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... ist Herausgeber von VAN. Er studierte Development Studies, Ethnologie und Asienwissenschaften in Berlin, Seoul, Edinburgh und an der London School of Economics und arbeitete im Anschluss zehn Jahre als Berater in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. 2014 gründete er mit Ingmar Bornholz den VAN Verlag, wo er auch als Geschäftsführer fungiert. hartmut@van-verlag.com