»Wahrscheinlich muss man erst 90 werden, um dieses Orchester richtig dirigieren zu können«, sagte Simon Rattle bei seinem Abschied als Chefdirigent von den Berliner Philharmonikern. Den Beweis dafür liefert der Auftritt des Orchesters mit dem 95-jährigen Herbert Blomstedt Ende September: Sonst bekannt dafür, Gast- und Chefdirigenten schonmal sichtbar die kalte Schulter zu zeigen, spielen die Philharmoniker an diesem Abend voller Achtsamkeit mit Blomstedt und für ihn. Er dirigiert nach einem im Juni bei einem Sturz zugezogenen Beinbruch , wegen dem er einige Konzerte absagen musste, im Sitzen, aber Schuberts dritte und Beethovens siebte Sinfonie klingen unter seinen Händen so transparent, schlank und lebendig, als wären sie in einen Jungbrunnen gefallen. Das Blomstedt-Phänomen: Je älter er wird, desto frischer klingen seine Interpretationen. Da ist nichts von Starrsinn, Dogma oder Rechthaberei, aber viel von ewiger Neugier.

Blomstedt wird oft als der »Dienstälteste« seiner Zunft bezeichnet, aber er ist – trotz beeindruckender Karriere – kein Dirigent äußerlicher Superlative. Er war nie der teuerste oder berühmteste, schnellste oder langsamste, sondern einer, dem es wie kaum einem anderen gelingt, die Mitte zu halten und aus dieser Musik zum Leuchten zu bringen. Ein Stück fällt bei ihm niemals auseinander, zerfranst oder perforiert in Extreme. Er lässt sich nie von überschwänglichem Pathos oder eigener Hybris überwältigen. Stattdessen hat man stets das schöne Gefühl, dass alles am richtigen Platz ist und deshalb der Spaß erst richtig losgeht. »Jetzt bin ich der älteste und alle lesen von meinen Lippen, dabei bin ich derselbe wie vor siebzig Jahren«, erzählt mir Blomstedt, als wir uns am Morgen nach seinem ersten von drei Konzerten mit den Philharmonikern in einem Hotel am Potsdamer Platz gegenübersitzen.

Herr Blomstedt, wie geht es Ihnen?

Sehr gut, unverschämt gut. 

Zum wievielten Male sind Sie jetzt bei den Philharmonikern zu Gast?

Vielleicht das fünfzehnte Mal.

Es war berührend zu sehen, wie sehr das Orchester gestern bereit war, Ihnen zu folgen und für Sie zu spielen. Ich nehme an, das ist eine Erfahrung, die Sie öfter machen?

Ja, jetzt bin ich der älteste und alle lesen von meinen Lippen, dabei bin ich derselbe wie vor siebzig Jahren. Ich war vorige Woche in Stockholm, wo ich 1954 debütiert habe [beim Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, d. Red.]. Als ich jung war, hat mir das Orchester in Stockholm einmal eine sehr schlechte Erfahrung beschert. Mein Lehrer [Tor Mann, d. Red.] war dort Chefdirigent und er wollte mir eine Chance geben und wohl auch zeigen, dass er einen talentierten Schüler hat. Er meinte zum Orchester: ›Ich verzichte auf die letzte halbe Stunde von meiner Probe und Sie können dann einmal diesen jungen Mann kennenlernen.‹ Ich habe mich natürlich sehr gefreut. Ich sitze also in meinem Zimmer und warte darauf, dass das Orchester kommt und Bescheid sagt, dass sie bereit seien. Irgendwann kam dann der Solo-Hornist rein und sagte: ›Wir bedauern es sehr, aber wir sind nicht verpflichtet, unter Schülern zu spielen.‹ Das war natürlich wie ein Schlag für mich. Aber er hatte Recht. Mein Lehrer hatte gehofft, dass sie etwas flexibler und neugieriger sein würden. Andererseits braucht ein Orchester eine Selbstachtung. Es bedeutet doch etwas, so ein Kollektiv zu leiten, man muss etwas können, Erfahrung haben und etwas zu sagen, das kommt nicht von selbst. Solche Erfahrungen sind auch gut. Sie lehren einen Respekt. Heute ist das Orchester mein bester Freund.

Es gibt eine Anzahl befreundeter Orchester, mit denen Sie seit mehreren Jahrzehnten regelmäßig auftreten, andere kamen erst relativ spät dazu. Wie kommt das?

Die Gründe sind nicht immer herauszufinden. Einige fragen früh an, einige spät, ich selbst frage nie nach. Als letztes haben sich die Wiener Philharmoniker gemeldet. Als Opernorchester haben die wenige Symphoniekonzerte, vielleicht zehn oder zwölf pro Saison, und keinen Bedarf an vierzig Dirigenten im Jahr. Außerdem haben sie ihre eigenen Gewohnheiten und Traditionen, da ist oft wenig Platz für neue Gesichter.

Ihr Debüt dort war 2011, mit 83 Jahren…

Ja, ein Einspringer für Nikolaus Harnoncourt, das war, glaube ich, ein Konzert in Salzburg bei der Mozartwoche. Dann hat es sofort gezündet. 

Aber Sie haben noch nie das Neujahrskonzert dirigiert.

Das werde ich wahrscheinlich auch nie machen, das ist nicht mein Repertoire [lacht]. Strauß-Walzer sind fantastische Musik, aber ich habe wenig Gelegenheiten dazu, sie zu spielen, weil ich vor allem angefragt werde für die großen sinfonischen Werke, die Wiener Klassiker, Brahms, Schumann, Beethoven, Bruckner … 

Finden Sie das schade?

Nein. Es gibt viele Kollegen von mir, die haben das Ziel und den Wunsch, alles zu spielen, weil man sonst kein ›vollkommener‹ Dirigent sei. Alles, ein bisschen von jedem Stil. Das ist verständlich, aber nicht mein Ideal. Ich spiele, was ich am tiefsten finde. 

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Das russische sinfonische Repertoire, das Sie selten dirigieren, gehört nicht dazu?

Das hat eher andere Gründe. Es gibt so viele russische Dirigenten, die dafür immer gefragt werden, das ist auch gut so. Ich liebe Tschaikowsky, ein großartiger Komponist, auch die weniger oft gespielten Stücke sollten eigentlich populärer sein. Ich habe zum Beispiel nie die Dritte Sinfonie dirigiert, die ›Polnische‹. Zu Unrecht. Aber ich habe nicht die Zeit, alles zu machen. 

Wie kam das Programm diese Woche zustande?

Das war ein Wunsch der Philharmoniker. Man hat jetzt ja überall ein bisschen das Problem, dass ein Teil des Publikums weg bleibt, nicht nur in Berlin. Das sind so Nachklänge der Covid-Pandemie. Deshalb wollten sie ein populäres Programm. Populäre Programme gibt es sehr viele, aber das populäre Programm muss auch sehr gut sein, sonst mache ich es nicht. Viele gute Stücke sind populär, aber populär an sich interessiert mich gar nicht. Mich interessiert nur die musikalische Qualität der Werke, ob das Publikum das gerne hat oder nicht ist seine Sache. Das Repertoire für Orchester ist so enorm, warum sollte ich da mittelmäßige Stücke dirigieren – besonders wenn man nur Gast ist? 

Welche Stücke sind denn populär und nicht gut?

In meiner Jugend waren die sinfonischen Rhapsodien und das Es-Dur-Klavierkonzert von Franz Liszt populär. Die waren nie populär bei mir. 

Und welche sind nicht populär genug?

Vielleicht Bruckner. Viele Dirigenten und noch mehr Publikum machen einen großen Bogen um ihn: zu lang, zu kompliziert, ›er kann ja gar nicht aufhören‹ … Es ist erstaunlich, wie vielen Menschen Bruckner nichts sagt. Auch in meiner Heimat Schweden. Es ist mehr als einmal passiert, dass ich bei meinem eigenen Orchester, dem Swedish Radio Symphony Orchestra, Programmvorschläge gemacht habe und als Antwort bekam ›bitte keinen Bruckner‹, dafür bekämen sie nicht genügend Leute in den Saal. [lacht] Das ist typisch schwedisch. Als ich noch Student in Stockholm war, kamen 1950 oder 1951 einmal die Wiener Philharmoniker mit Furtwängler in die Stadt und spielten Bruckners Achte. Ich wollte ihm nahekommen, weil ich ihn sehr bewunderte, und wartete am Künstlereingang auf ihn. Etwa eine halbe Stunde nach dem Konzert kam er mit einer Gruppe von vier, fünf Leuten raus und ich hörte ihn schon von Weitem böse poltern [ruft laut]: ›Nie wieder Bruckner in Stockholm, nie wieder‹, seine Arme zitterten immer, wenn er aufgeregt war. Der Applaus war ihm zu gering. Ich dachte da bei mir ein bisschen trotzig: ›Das werde ich ändern.‹ Das ist mir nicht gelungen. Ich habe sehr viel Bruckner in Stockholm gespielt, aber noch heute höre ich das öfter: ›Bitte keinen Bruckner.‹

Herbert Blomstedt bei einem Dirigierkurs in Salzburg (1950) • Foto © Privatarchiv Herbert Blomstedt

Sie haben diese Dirigentengeneration um Furtwängler und Toscanini noch persönlich erlebt in Proben und Konzerten. Viele von denen waren Tyrannen… 

Ja, weil sie als Halbgötter galten, das war ein Ausläufer dieses Star- und Geniekults des 19. Jahrhunderts. Toscanini, den ich sehr oft in New York gehört habe, war fast etwas komisch tyrannisch, er hat seine Musiker mit Worten misshandelt, jede Probe mehrmals, sie Esel genannt, wenn sie etwas nicht sofort verstanden: ›Asino!‹ Wenn er böse wurde, wechselte er immer sofort ins Italienische. Furtwängler war nicht in dem Sinn tyrannisch, dafür war er viel zu gebildet. Aber seine letzte Frau Elisabeth hat einmal sehr fein erzählt, wie Furtwänglers Vater, der berühmte Archäologe, ihn verwöhnt und immer zu ihm gesagt hat: ›Du bist genial, und ein Künstler von Gottes Gnaden steht über den Menschen.‹ Sie meinte, das hätte ihm etwas von der Kultiviertheit genommen. Er war einfach spoiled, wie man auf Englisch sagt. Die ganze Position des Dirigenten war so hochgesetzt, dass alles nach seinem Willen ging. Das hat ein paar positive Seiten, aber viel mehr negative. Ich habe auch sehr viele Gleichaltrige erlebt, die noch so waren.

Warum Sie nicht?

Ich bin so erzogen worden, Respekt für alle Menschen zu haben, auch wenn sie nicht nach meinem Geschmack sind. Ich habe Dirigenten erlebt, die keinen Respekt hatten für die Musiker. Ein sehr berühmter Dirigent kam einmal nach Stockholm und hat die Mozart-Variationen von Max Reger dirigiert. Dort gibt es Extreme in den Dynamiken, auch im Leisen, das geht bis fünf, sechs p, sehr delikat. Für ihn war es wohl nicht leise genug. Er wurde in der Probe so böse, dass er die Musiker anschrie [schlägt sich auf die Knie und ruft]: ›Meine Herren, pianissimo!‹, er konnte sich selbst überhaupt nicht kontrollieren. Das hat mir so weh getan, dass ich rausgelaufen bin. Ich kann das nicht aushalten, wenn man Musiker so behandelt, egal ob sie gut oder weniger gut sind. Man muss Respekt vor allen haben, die etwas können. Und was jemand nicht kann, kann er vielleicht morgen lernen.

Sie haben erzählt, dass Sie in einem Elternhaus aufwuchsen, das im moralistischen Sinne teilweise rigide war, insbesondere Ihr Vater, der Pastor war. Haben Sie dagegen rebelliert? 

›Rebelliert‹ wäre übertrieben. Er war ein ausgesprochener Pflichtmensch. Vor hundert Jahren war das fast normal. Als ich ins Teenageralter kam, habe ich mich manchmal dagegen aufgelehnt, aber rebelliert habe ich eigentlich nie. Ich habe meinen Vater bewundert, weil er erstens sehr klug war und zweitens sehr konsequent. Ich glaube, das hat mich nicht im schlechten Sinne geprägt. Die Übertreibungen sind mir fremd. Meine Mutter war Pianistin und eine ganz andere Persönlichkeit. Mein Vater war eher so ein Eigenbrötler, meine Mutter dagegen sehr weich und gesellig, sehr sensibel, als Musikerin aber auch im alltäglichen Leben. Das war eine gute Kombination. Ich habe wunderbare Eltern gehabt, die Ideale für mich waren, in einiger Hinsicht bin ich ganz anderer Ansicht als mein Vater, aber das ist normal – welcher Sohn denkt nicht anders als sein Vater?

Alida und Adolf Blomstedt mit ihren Kindern Herbert (links) und Norman (ca. 1929) • Foto © Privatarchiv Herbert Blomstedt

Sie sagen, Übertreibungen seien Ihnen fremd. Das gilt auch für Ihre Interpretationen, die gerade aus der Balance ihre Spannung ziehen, in denen das Ganze sichtbar wird, nicht nur das Detail. Hatten Sie das immer schon, oder ist das eine Errungenschaft des Alters?

Gute Frage, vom Typ her bin ich, glaube ich, eigentlich eher ein Choleriker. Ich hatte einen drei Jahre älteren Bruder, der war bis zu seinem Lebensende ein großes Vorbild für mich: sehr ausgeglichen, er war Arzt, völlig selbstlos, hat sich nur für andere eingesetzt. Meine Mutter hat mir erzählt, dass ich, als ich klein war, ihn manchmal gebissen habe, wenn ich mich verteidigen wollte, aber er durfte nicht zurückschlagen: ›Der Kleine kann sich nicht wehren, du musst ihn vorsichtig behandeln.‹ Das hat er auch immer gemacht. Aber ich wollte unbedingt meinen Willen durchsetzen. Das ist erstaunlich lange so geblieben. 

Wann und wie hat sich das geändert?

Ich habe mit dreizehn oder vierzehn gemerkt, dass ich auf diese Art sehr viel Leid verursacht hatte. In der Musik hat mir später mein Hang zur Wissenschaft geholfen. Nachdem ich mit der Musikhochschule fertig war, hat es vier Jahre gedauert, bis ich debütiert habe. Die Zeit habe ich genutzt und [an der Universität Uppsala] Musikwissenschaft studiert. Das hat mich vor vielen Dummheiten bewahrt und mir geholfen, Musik ausgeglichener zu bewerten. Schon mein Geigenlehrer in Göteborg, ein hervorragender Musiker und Konzertmeister des Göteborger Sinfonieorchesters, hatte mir geraten, nach meinem Abitur auf die Universität zu gehen: ›Gut spielen können viele, aber du musst gleichzeitig auch lernen, über die Musik eigenständig nachzudenken.‹ Das habe ich gerne gehört. Ich hätte mir auch gut vorstellen können, nach dem Abitur Mathematik zu studieren, das war mein Lieblingsfach. Das haben später auf der Stockholmer Musikhochschule, damals die einzige in Schweden, nicht alle meine Lehrer geschätzt. Sie haben Wind davon bekommen und meinten: ›Hierher kommen Studenten, die ihr ganzes Leben auf die Musik setzen, und da kommt ein Junge, der auch gerne Mathematik studieren würde, und nimmt denen einen Platz weg, die ihr Leben geben würden, um hier zu studieren?‹ Die Liebe zur Wissenschaft ist bei mir immer geblieben.

Als Dirigent, der jedes Jahr weltweit bis zu 100 Konzerte dirigiert, führen Sie jetzt seit Jahrzehnten ein Jetlag-Leben. Auf was mussten Sie dabei verzichten, was am meisten schmerzt?

Man muss selbst auf vieles verzichten, vor allem muss die eigene Familie aber auf einen verzichten. Wir sind immer in Stockholm wohnen geblieben, auch als ich in Oslo, Kopenhagen oder Dresden Chef war. Das bedeutete, dass meine Frau mit unseren vier Töchtern sehr viel alleine war, das war nicht immer leicht für sie. Meine Frau war Philologin, sie hat sehr gerne unterrichtet, aber sie ist zu Hause geblieben, bis die Kinder aus dem Haus waren, und hat dann erst wieder angefangen zu unterrichten. Das war sicher sehr schwierig für sie manchmal. Eine unserer Töchter war Diabetikerin. Ihr schon als Zweijährige jeden Tag Spritzen zu geben, ihren Blutzucker zu überwachen, all die heiklen Situationen … Als Vater hat man da ein schlechtes Gewissen. Ich habe versucht, das irgendwie zu kompensieren, wir haben immer eine schöne Beziehung gehabt, wenn ich zuhause war, dann haben wir das wirklich genossen. Wenn ich unterwegs war, habe ich ihr jeden Tag eine Postkarte geschrieben. Ich habe noch sieben Schuhkartons mit solchen Postkarten.

Lesen Sie die manchmal?

Jawohl. 

Beschäftigen Sie sich mit sowas wie der eigenen ›Legacy‹, was Sie musikalisch hinterlassen wollen?

Der Gedanke hat nie wirklich bei mir Wurzeln geschlagen. Ich bin jetzt ziemlich alt geworden, aber ich denke nicht daran. Ich fühle mich wie ein junger Student, es gibt noch so viel zu entdecken. Ich denke nicht daran, was ich hinterlasse. Obwohl es mich manchmal erstaunt, wie viel ich aufgenommen habe, vielleicht 400 Werke …

Gibt es da eine Lücke, die Sie gerne noch schließen würden?

Es gibt sehr viele Lücken, aber das muss man akzeptieren [lacht].

Was ist Ihre größte Erkenntnis des Alters?

Man wird toleranter und entspannter. 

»Ich bin nicht der Beste auf der Welt«, sagt Herbert Blomstedt, und behandelt Musiker:innen mit entsprechendem Respekt. Folgen sie ihm darum so besonders aufmerksam? Ein Interview mit dem Dirigenten in @vanmusik. Klick um zu Tweeten

Sie werden toleranter und entspannter.

Ja. Man sieht: Es gibt viele Schönheits- und Qualitätsideale, die nicht die eigenen sind, aber das muss man akzeptieren. Ich bin nicht der Beste auf der Welt. Das ist eine Variation dieses Gefühls, dass man Respekt für andere haben muss. Als Musiker gibt es so viel Wettbewerb, jeder Erfolg von einem Kollegen wird mit Misstrauen beäugt: ›Warum bekomme ich nicht diese Gelegenheit, ich bin doch viel besser als der?‹ Solche Gedanken sind tödlich [lacht]. Jeder hat sein Talent und man ist verpflichtet, das Beste draus zu machen, so einfach ist das. Die Orchester sind voller Talente, manchmal viel größere als ich, ich kann von denen lernen, aber ich habe auch etwas zu sagen, weil ich andere Erfahrungen habe. Das sagt man natürlich nicht, aber es begleitet mich mittlerweile als Gefühl im Hintergrund. Man traut sich mehr, wenn man älter wird, man hat ja nichts zu verlieren. Man macht auch Dummheiten, das tut man, auch wenn man alt ist, aber das schadet ja nicht, ich habe meine Karriere ja schon hinter mir. Man sieht das ein bisschen entspannter. ¶

Hartmut Welscher

... ist Herausgeber von VAN. Er studierte Development Studies, Ethnologie und Asienwissenschaften in Berlin, Seoul, Edinburgh und an der London School of Economics und arbeitete im Anschluss zehn Jahre als Berater in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. 2014 gründete er mit Ingmar Bornholz den VAN Verlag, wo er auch als Geschäftsführer fungiert. hartmut@van-verlag.com