Schon bei der Einladung zur Pressekonferenz wurde man stutzig: »Aviel Cahn, designierter Intendant der Deutschen Oper Berlin, möchte Ihnen die Pläne für die musikalische Leitung des Hauses ab der Spielzeit 2026/27 vorstellen. »Pläne für die musikalische Leitung« statt »den neuen Generalmusikdirektor« oder »die neue Generalmusikdirektorin« – was soll das bedeuten?

Am Montag folgte dann die Auflösung: Statt der Berufung eines Nachfolgers für Generalmusikdirektor Donald Runnicles setzt das Haus mit Beginn der Intendanz Cahn ab 2026 auf ein Leitungsteam aus drei Dirigenten: Der Franzose Maxime Pascal (40) und der Italiener Michele Spotti (32) werden Erste Gastdirigenten, der in Berlin lebende Schweizer Titus Engel (50) Conductor in Residence. Engel und Pascal haben sich besonders mit modernem bis zeitgenössischem Repertoire einen Namen gemacht. Pascal gründete 2008 mit Mitstudenten in Paris das Musikerkollektiv Le Balcon, das seitdem in wechselnder Besetzung Projekte realisiert, die in den Routinen der großen Opernhäuser kaum durchführbar sind. Insbesondere seine Aufführungen aus Stockhausens Opernzyklus LICHT haben international Kultcharakter, nicht nur unter Stockhausen-Jüngern. An der Semperoper Dresden dirigierte er letzte Saison eine Neuproduktion von Kaija Saariahos Innocence. Spotti soll bei der Deutschen Oper wohl vor allem für das italienische Kernrepertoire zuständig sein. Mit Engel und Pascal hat Cahn schon als Intendant in Genf und Gent zusammengearbeitet, am Grand Théâtre de Genève leitet Engel in dieser Spielzeit eine Neuproduktion von Frank Zappas 200 MOTELS.


Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.

Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv

VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.


Sie haben schon ein Abo?

... ist Gründer und Herausgeber von VAN. ✉️ hartmut@van-verlag.com