Schnurz, ob nun la musica oder le parole zuerst: Sprache spielt in jeder Oper eine wichtige Rolle, sonst wär’s ja Ballett, Sinfonische Dichtung oder sonst ein schlingliges Schlampampel. Aber es gibt Werke, bei denen die Sprache eine besonders herausragende Angelegenheit ist, ohne dass sie doch irgendwie »über« der Musik stünde. In Leoš Janáčeks Opern schmiegt sich aller Klang an die »natürliche« Melodie der tschechischen Sprache an, ja Janáček lässt überhaupt alle Musik erst aus menschlichem Sprechen entstehen. In Kaija Saariahos Oper Innocence hingegen, uraufgeführt 2021 und jetzt neu produziert an der Semperoper Dresden zu erleben, entspinnt sich alles Musikdrama aus einem babylonischen Gespinst von neun Sprachen – und ebenso vielen unterschiedlichen Klangidiomen. Dennoch ist es, auch dank seiner alles verbindenden menschlichen Güte, ein Werk wie aus einem einzigen Guss von circa hundert Minuten. Darin ähnelt Innocence tatsächlich Saariahos erklärten Vorbildern Elektra und Wozzeck.


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com