Um es gleich zu sagen: Ich schreibe direkt aus der Fankurve heraus. Oft habe ich ihm zugehört, in den letzten dreißig Jahren sehr viel öfter als anderen Pianisten oder Dirigenten, ob Bach oder Liszt, Mahler oder Schönberg. Hauptgrund dafür war die Neugierde, man könnte sie »professionell« nennen, aber auch andersherum darin eher eine déformation professionnelle diagnostizieren. Denn warum schlafen Musikkritiker in Konzerten so gern ein? Weil sie es hassen, sich weiterhin zu langweilen. Bei Daniel Barenboim jedoch ist immer was los. Immer Bewegung und Leben drin. Er denkt schnell, oft zu schnell, manchmal um drei Ecken herum. Er hat so viel kreative Energie, dass man aus ihm locker zwei Barenboims machen könnte. Er ist deshalb allezeit für Überraschungen gut, im Guten wie im Bösen. Ich habe also schon viele, viele Barenboim-Rezensionen verfasst, zweifelnde und hingerissene, auch unzählige Interviews mit ihm geführt, kurze, zwischen Tür und Angel, und stundenlange, in Zigarrenqualm gehüllte. Mehr als einmal begrüßte er mich mit mildem Spott: »Ach, Sie schon wieder!« 


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… lernte Geige und Klavier, studierte Musik-, Literatur- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin, promovierte über frühe Beethoven-Rezeption. Von 1994 bis 1997 Musikredakteurin der Zeit, von 1997 bis 2018 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seither wieder freelance unterwegs. Seit 2011 ist Büning Vorsitzende der Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik.