»Selbst wenn es jetzt vorbei wäre – ich weiß nicht, ob es einen Schöpfer gibt, aber wenn es ihn gäbe, könnte ich nur tief den Hut ziehen und Danke sagen«, erzählte Lars Vogt im Mai letzten Jahres, als wir über seine Krebserkrankung sprachen, die kurz vorher diagnostiziert worden war. Vorgestern ist der Pianist und Dirigent in einem Erlanger Krankenhaus im Kreis seiner Familie und Freunde gestorben, drei Tage vor seinem 52. Geburtstag. Für Vogt gilt, was er selbst einmal über den Cellisten Boris Pergamenschikow gesagt hat: »Er war genial darin, Menschen, die ähnlich ticken, zusammenzubringen.« Vogt gelang dies an vielen Orten, auf vielen Ebenen und Kanälen, bei seinem Festival ›Spannungen‹ in Heimbach, das vielen Kolleg:innen und Zuhörer:innen ein musikalisches Zuhause wurde, in Schulklassen bei dem von ihm initiierten Projekt ›Rhapsody in School‹, in den beiden Orchestern, denen er als Chefdirigent verbunden war, auf der Bühne mit seinem Publikum. Es brauche viel Persönlichkeit, aber immer auch das Zurückstellen von Ego, beschrieb Vogt vor vier Jahren die Grundhaltung, die er mit Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne suchte. In der klassischen Musikwelt, die Solist:innen bisweilen zu Egoshootern erzieht und in der jeder sich selbst oft der nächste ist, prägte er damit eine ganze Musiker:innen-Familie. »Er wird mehr als fast jeder andere Mensch, den ich kenne, eine Legacy haben nicht nur im Sinne von ›was für eine Karriere, guck mal diese und jene CD‹, sondern eine Legacy im wirklichen Leben von Leuten, die durch ihn berührt worden sind«, erzählt mir der Geiger Christian Tetzlaff, einer von Vogts engsten Freunden und Kammermusikpartnern, den ich am Tag nach dessen Tod in seinem Haus in Berlin erreiche. 


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... ist Herausgeber von VAN. Er studierte Development Studies, Ethnologie und Asienwissenschaften in Berlin, Seoul, Edinburgh und an der London School of Economics und arbeitete im Anschluss zehn Jahre als Berater in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. 2014 gründete er mit Ingmar Bornholz den VAN Verlag, wo er auch als Geschäftsführer fungiert. hartmut@van-verlag.com