»Die coronabedingte Schneise der Verwüstung durch die Kulturszene lässt sich zunehmend in Zahlen fassen«, meldete die Stadt Berlin am 13. April 2021 mit Blick auf einen am selben Tag veröffentlichten Bericht der Berliner Senatsverwaltung für Kultur zur Jahresbilanz der landeseigenen Orchester- und Theaterbetriebe. Die »Schneise der Verwüstung« meint dabei den im Bericht festgehaltenen pandemiebedingten Rückgang der Kartenverkäufe: 2020 verzeichneten die landeseigenen Bühnen nur gut 900.000 zahlende Besucherinnen und Besucher, 2019 waren es noch 3,3 Millionen. Diese Zahlen überraschen wenig, verleiteten einige aber dennoch zu alarmistischen Beschreibungen, die vermuten ließen, die Berliner Bühnen stünden sämtlich kurz vor dem Aus. Die Berliner Zeitung leitete ihren Artikel zum Thema ein mit den Worten »Die Kulturverwaltung vermeldet desaströse Besucherzahlen an den institutionell geförderten Berliner Bühnen und Orchestern«, die Morgenpost bilanzierte: »Wie verheerend sich Corona auf die Kulturhäuser ausgewirkt hat, das gibt es jetzt schwarz auf weiß.« Was ebenfalls im Bericht des Senats, aber in keinem der Artikel steht: Alle großen landeseigenen Opernhäuser beendeten das Jahr 2020 mit schwarzen Zahlen. Auch die Rundfunk-Orchester und -Chöre machten Gewinne. Lediglich die Berliner Philharmoniker und das Konzerthaus mussten von Bund und Land gesondert finanziell unterstützt werden, sodass auch sie 2020 mit ausgeglichenen Bilanzen (bei den Philharmonikern) oder sogar einem Plus (beim Konzerhaus) beendeten. Die Schließung der Häuser mag aus Künstler:innen- wie aus Publikumssicht dramatisch sein, finanziell ist sie es zumindest für diese großen landeseigenen Institutionen nicht. 


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... machte in Köln eine Ausbildung zur Tontechnikerin und arbeitete unter anderem für WDR3 und die Sendung mit der Maus. Nach einem Schulmusik- und Geschichtsstudium in Berlin und Bukarest gibt sie Seminare in Musikwissenschaft und Musikjournalismus und ist Redakteurin bei VAN. merle@van-verlag.com