Am 3. März 1913 kam in Chicago Margaret Allison Richardson Bonds zur Welt. Ihre Mutter war eine anerkannte Organistin – und so war der Weg von Margaret auf die Orgelbank ihrer Mom nicht weit. Bald kamen Klavier- und Kompositionsstunden hinzu. Bonds Kompositionslehrerin war dabei niemand Geringeres als die legendäre Florence Price (1887–1953). Denise von Glahn stellt in Music and the Skillful Listener. American Women Compose the Natural World (Bloomington 2013) fest, Komponistinnen wie Chen Yi (*1953), die jüngst hier porträtierte Annea Lockwood (*1939) und eben Margaret Bonds hätten durch die Bank schöne und bedeutsame Werke in verschiedenen Genres geschaffen. Auf Bonds geht sie genauer ein – und notiert, dass die afroamerikanische Komponistin vor besonderen Herausforderungen gestanden habe. Obwohl sie in den Vereinigten Staaten geboren worden war, habe sie als Afroamerikanerin noch weiter außerhalb der Erzählung der Eroberung des Great West und der Zähmung der Natur gestanden als ihre weißen Kolleginnen. 

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Ab 1929 studierte Bonds an der Northwestern University in Illinois Klavier bei Emily Boettiche Bogue und Komposition bei Arnie Oldburg sowie Dean Carl Beecher. 1932 erhielt sie für ihr Werk Sea Ghost einen wichtigen Preis – und 1932 debütierte Bonds als Pianistin in der New Yorker Town Hall. Schon ein Jahr darauf war sie die Solistin in John Alden Carpenters (völlig vergessenem) Concertino (1914), begleitet wurde sie vom Chicago Symphony Orchestra unter der Leitung von Frederic Stock. Und wiederum ein Jahr später nahm Bonds das Klavierkonzert d-Moll (1934) von Florence Price im Studio auf. Zur gleichen Zeit komponierte Bonds bereits eifrig Lieder und arbeitete eng mit Lyrikerinnen und Lyrikern zusammen. So entstanden die Texte zu Kantaten – und Musicals!

1939 zog es Bonds nach New York, wo sie ab 1941 an der Juilliard School of Music bei Tobert Storer, Henry Levine, Roy Harris und Emerson Harper weiter studierte. Gewissermaßen bis zu ihrem Lebensende widmete sie sich bald vor allem ihrer pianistischen und klavierpädagogischen Karriere.

Margaret Bonds starb am 26. April 1976 im Alter von 63 Jahren in Los Angeles.


Margaret Bonds (1913–1976)
Troubled Water für Klavier (1967)

Bonds komponierte eine Kinderoperette (Winter Night’s Dream, 1956), eine Hand voll Schauspielmusiken, Musicals, Chorwerke, ein paar Klavier-Solo-Stücke sowie viele Lieder. Aus dem Jahr 1967 stammt ihr Klavierstück Troubled Water. Mit einem sanften Ostinato werden wir in das Stück hineingesungen. Über diesem Ostinato steigen an Debussy und Co. erinnernde Akkorde empor. Bald löst sich die Musik von dem Ostinato – und Achtel-Begleitfiguren streicheln die Klaviatur in den Bereichen der linken Hand. Kurzzeitig kehrt das Ostinato zurück, doch nur als kleines »Hallo!« – als ein freundliches Rondo-Winken. Immer mehr füllt Bonds die Partitur an, auch einmal mit schärferen Dissonanzen oder fast wie bei Rachmaninow: weit ausholend. Doch da sind wir auch schon wieder im Jazz-Club der Geburtstadt Bonds; in Chicago, der Stadt, in der man 1915 erstmals das Wort »Jazz« in einer Zeitung gedruckt hatte. Ein grandioses Stück Klaviermusik! ¶

Die afroamerikanische Komponistin Margaret Bonds schrieb grandiose Klaviermusik außerhalb der gängigen Erzählungen. Ein Porträt in @vanmusik. Klick um zu Tweeten

Arno Lücker

... ist Konzertveranstalter, Moderator, Komponist und Pianist. Er gestaltet innovative Konzertformate, arbeitet als Musik-Satiriker, schreibt Stücke für Solist:innen und Ensembles und Texte für VAN, die Wiener Philharmoniker, die New York Philharmonics und die Bamberger Symphoniker. 2019 war er als Schauspieler an der Volksbühne zu erleben.