In dieser Rubrik kommentieren wir in jeder Ausgabe eine Nachricht, die uns in der vergangenen Woche beschäftigt, betrübt oder erfreut hat.
An kaum einer Musikhochschule hat sich das Thema Machtmissbrauch in den letzten Jahren so sehr manifestiert wie an der Musikhochschule in München: Auf Prozess und Urteil gegen den ehemaligen Präsidenten Siegfried Mauser wegen sexueller Nötigung – flankiert von irritierenden Reaktionen aus der Klassikwelt, die sexualisierte Gewalt zu einvernehmlichem Sex oder einem selbstverständlichen Teil eines ausschweifenden Künstlerlebens umdeuteten – folgte ein weiteres Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Kompositionsprofessor Hans-Jürgen von Bose. Leidtragende waren natürlich in allererster Linie die von der Gewalt direkt Betroffenen, darüber hinaus nahmen aber auch das Ansehen der Hochschule und die Zusammenarbeit im Kollegium, durch das sich immer tiefere Gräben zogen, deutlichen Schaden. Schon 2018 wurde darum zur Wiederwahl des noch amtierenden Präsidenten Bernd Redmann (der zur Amtszeit Siegfried Mausers bereits als dessen Vize gedient und seit der eigenen Studienzeit nur mit einer Unterbrechung in München gelernt und gelehrt hatte) laut Berichterstattung des BR der Ruf hörbar, man brauche zur Aufarbeitung der Gewalttaten und zur Neuausrichtung der Hochschule frischen Wind, den unvoreingenommenen Blick von außen – und vielleicht besser (zum ersten Mal in ihrer gut 170-jährigen Geschichte) eine Frau an der Spitze.

