Teodor Currentzis war schon immer ein besserer Musiker, als seine Interviews vermuten lassen. Wer einen Beweis dafür sucht, wird in der aktuellen Ausgabe des ›Spiegel‹ fündig. Dort ist ein Currentzis-Porträt von Matern von Boeselager erschienen, das insofern nicht der Rede wert ist, als dass es alles aufwärmt, was innerhalb und außerhalb der Klassikwelt in den letzten 15 Jahren über Currentzis – auch in VAN – geschrieben wurde: die Schnürstiefel, die »Bruderschaft« MusicAeterna, der Kitsch, die ausufernden Proben, sein Schweigen zum Ukraine-Krieg. Selbst die Fotos, die für das Porträt entstanden sind – Currentzis in plüschiger Atmosphäre, auf Sofa, verträumt – hat man alle schon irgendwo gesehen. Dazu wird die Causa Currentzis mit hanebüchenen Superlativen hochgejazzt, zum Beispiel dem, dass die Frage, ob Musik von Moral zu trennen sei, »vielleicht seit Furtwängler« zum ersten Mal wieder gestellt werde. Dabei vergeht kein Tag, an dem diese Frage nicht gestellt wird.
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