Im Zweifel für den Angeklagten: Dieser im Strafrecht verankerte Grundsatz gilt nicht in Kunstdingen. »Wie es wird, weiß man immer erst hinterher«, pflegte der große Kritiker Gerhard Rohde zu sagen, wenn ihm das Getratsche der Kollegen schon vor einer Premiere auf den Keks ging. Gut, dass mich ein anderer, nicht minder grimmiger Kollege, der sich noch nicht, wie Rohde, in die ewigen Jagdgründe verabschiedet hat, neulich in Salzburg wieder an ihn erinnerte. Von den zehn Opernpremieren (eingerechnet Wiederaufnahmen und Konzertantes), die Salzburgs Intendant Markus Hinterhäuser heuer für dieses einst wichtigste Sommermusikfest der westlichen Welt programmierte, hatte ich bis dato nur eine einzige besichtigt und wollte nun, mit der Begründung, alles andere sei nicht von Belang, gerade wieder abreisen. Doch ich blieb, nachdem mir, quasi aus dem Grab heraus, die Leviten gelesen worden waren, noch für zwei weitere große, szenische Neuproduktionen. Hier das Ergebnis, in Kürze, auf einer Skala von eins bis zehn. 


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… lernte Geige und Klavier, studierte Musik-, Literatur- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin, promovierte über frühe Beethoven-Rezeption. Von 1994 bis 1997 Musikredakteurin der Zeit, von 1997 bis 2018 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seither wieder freelance unterwegs. Seit 2011 ist Büning Vorsitzende der Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik.