Im Juni besuchte ich den Pianisten und Musikwissenschaftler Robert Levin in seinem Haus in Cambridge, Massachusetts. Ausgaben der Gesamtwerke von Mozart, Schubert, Beethoven und vielen anderen Komponist:innen zieren sein Wohnzimmer. Levin besitzt die fast unheimliche Gabe, ein Werk in seine einzelnen Stilelemente zu zerlegen – ein bemerkenswerter Prozess der Destillation und Abstraktion, den Levin mit Leichtigkeit am Klavier demonstriert, indem er zwischen ähnlichen Passagen aus unterschiedlichsten Stücken – insbesondere von Mozart – hin- und herwechselt. 1991 beendete Levin seine Version des Mozart-Requiems, die von vielen Kritiker:innn bis heute als die überzeugendste angesehen wird (selbst im Vergleich mit der 1791 von Mozarts Assistenten Franz Xaver Süßmayr erstellten Version). Im Jahr 2005 vollendete Levin die Messe in c-Moll. Wir sprechen über diese abgeschlossenen aber trotzdem aktuellen, weil viel gespielten Projekte und wagen einen Blick in die Zukunft.
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