Schon öfters hat sich Christian Jost sagen lassen müssen, seine Musik habe Filmmusikqualität. Jeder in der Branche, ob Musiker oder Kritiker, weiß, dass solch ein Lob immer noch Restgifte enthält von alten Avantgarde-Polemiken. Filmkomponisten sollen ja angeblich ihren Beruf vorwiegend zum Geldverdienen ausüben, im Unterschied zu anderen, die angeblich vorwiegend berufen sind zu Höherem.
Jost hat aber noch nie die Musik zu einem Film geschrieben. Er ist jetzt sechzig, erfolgreich und angekommen. Hat sich durchgesetzt und eine eigene, unverwechselbare Klangsprache erarbeitet. Man könnte sie undogmatisch-polystilistisch nennen: Er verwendet freie und alte Skalen neben tonaler Harmonik, er führt Jazzdrive mit kleinteiligen Minimalismen zusammen, schafft mit irisierend instrumentierten Klangflächen Raum und Atmosphäre, greift mit Gesanglichkeit und einprägsam starken Rhythmen direkt ins Sonnengeflecht. Jost schrieb etliche Solokonzerte, auch Symphonisches, Kammermusiken und zehn Bühnenstücke.

