Sogenannte Musische Gymnasien und Musikgymnasien sind heute eine wichtige Säule in der (Aus-)Bildung junger Musiker:innen. Es gibt keine eindeutigen Zahlen, aber blickt man sich in Landesjugendorchestern, Musikhochschulen und Musiker:innenlebensläufen um, wird sicherlich ein großer Teil solche Einrichtungen besucht haben. Gründe dafür gibt es viele: Für Jugendliche auf höherem Instrumentalniveau kollidiert der Schulalltag oft mit der arbeitsintensiven musikalischen Freizeitgestaltung. An Musischen Gymnasien ist man sich dessen bewusst und passt den Schulalltag entsprechend an. Auch kooperieren solche Einrichtungen meist mit den PreCollege-Programmen der örtlichen Musikhochschulen. Neben dem höheren Niveau des tatsächlichen Unterrichts findet sich hier leichter eine ähnlich musikbegeisterte Peergroup. Diese Schulen wirken so als Katalysator im undurchsichtlichen Stoffgemisch musikalischer Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen, der bestenfalls mehr bedeutet als nur staatliche Elitenförderung. Tatsächlich liegen die Wurzeln des Musischen Gymnasiums nicht nur in den Utopien von Reformern, sondern – das ist hierzulande ja eigentlich auch wieder keine Überraschung – im Nationalsozialismus und der geistigen und materiellen Enteignung zweier jüdischer Funktionäre.

Am 27. November 1882 wurde Leo Kestenberg im damals österreich-ungarischen Rosenberg (heute das slowakische Ružomberok) geboren. Sein Vater war jüdischer Kantor und gab dem Jungen ersten Klavierunterricht – viele Jahre später sollte dieser nicht nur berühmter Pianist, sondern auch prägend für die Geschichte des deutschen Musikunterrichts werden.


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