Die Musik der 1985 geborenen schwedischen Komponistin Lisa Streich ist klanglich und dramaturgisch subtil und fesselt gerade darum umso mehr. Häufig arbeitet sie mit traditionellen Instrumenten, die durch kleine selbstgebaute motorisierte Geräte präpariert oder modifiziert werden. Wenn ich ihre Stücke höre, habe ich manchmal das Gefühl, auf Molekülgröße geschrumpft zu sein und im Innern einer Spieluhr zu sitzen, in der sich die Geräusche der Mechanik mit zerbrechlichen und dennoch klaren Tönen zu einem beunruhigenden und berührenden Ganzen verbinden. 2017 gewann Streich den renommierten Ernst von Siemens Musikpreis und zwei Jahre später den RicordiLab-Preis für junge Komponist:innen, der ihr trotz ihres anfänglichen Widerwillens, den »dünnen, schönen« Look ihrer Partituren zu verändern, mehr Zeit für konzentriertes Arbeiten gab. Sie lebt mit ihren drei Kindern auf der schwedischen Insel Gotland, wo ich sie nachmittags per Videochat erreiche. 


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... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.