Ich sitze im Zug nach Hamburg, höre Nico Muhlys Oper Two Boys und bin mir nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Manches klingt für mich etwas schlicht, die Zeilen des Detektivs, die mit starkem Vibrato vorgetragen werden, sogar ein bisschen albern. Dann wieder gibt es wunderbare choralartige Momente. In Interviews vergleicht Nico Muhly seine Musik oft mit Mahlzeiten. Ich frage mich, ob das vielleicht das Problem ganz gut trifft: Ein Gericht besteht aus vielen Zutaten, ein bisschen hiervon, ein bisschen davon, während die Werke, die ich persönlich liebe – Stücke von Scelsi, Schubert – eher jeweils einem silbernen Ring gleichen, der unter Einsatz harter Arbeit poliert wird, bis er im Ganzen glänzt.Muhly, mittlerweile 36, wurde schon vom New Yorker porträtiert und von der Metropolitan Opera beauftragt, deswegen spielt es auch nicht wirklich eine Rolle, was ich von seiner Musik halte. So oder so ist er eine wichtige Stimme der zeitgenössischen Musik und ein sehr guter Gesprächspartner. Als ein Mann mit einem riesigen Pelzmantel an unserem Tisch im Café der Elbphilharmonie vorbeigeht, sagt Muhly: »Oh mein Gott, genau denselben Mantel hätte ich auch fast angezogen.«


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... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.