In der norditalienischen Kleinstadt Vicenza hat der Dirigent Iván Fischer vor vier Jahren sein eigenes Festival gegründet. Spielort ist der erste freistehende Theaterbau, der nach Ende der Antike errichtet wurde, das Teatro Olimpico, mit seinem unter Denkmalschutz stehenden hölzernen Bühnenbild: das Konterfei einer italienischen Kleinstadt mit ihren Gassen und barocken Häuserfassaden, regelrecht magisch anziehend und kitschig zugleich. Iván Fischer mag das Alte, die Kunstfertigkeit, das Besondere – und gibt sich zugleich visionär und progressiv. Hannah Schmidt hat ihn Ende Oktober zum Interview getroffen.

VAN: Ihr Budapest Festival Orchestra ist aktuell von der Zeitschrift Gramophone zum ›Orchester des Jahres‹ gekürt worden. Ist das etwas Besonderes für Sie?
Iván Fischer: Das Schöne an diesem Preis ist doch, dass es ein Preis ist, den das Publikum vergibt. Ich weiß, das ist ein Klischee, aber ich sage immer: Eigentlich spielen wir doch für das Publikum.

