Die Musik des griechisch-französischen Komponisten Georges Aperghis zeichnet vor allem ihre verblüffende, absurde und oft witzige Theatralik aus. In seinen berühmten Récitations für Sopran solo dehnen sich sinnliche Beschwörungsformeln pyramidenförmig in der Partitur und im Klang aus und ziehen sich wieder zusammen; Les guetteurs de sons für drei Schlagzeuger erfreut sich am Spiel von Klang, Bewegung und Erwartung, das durch das einfache Heben und Senken eines Arms über einer Trommel entsteht. Aber der 78-jährige Aperghis ist auch dann ein Meister von Form und Klangfarbe, wenn seine Werke keine explizit theatralischen Elemente enthalten: So klingt das Ende seines Concert pour accordéon , als würde das Soloinstrument einen Streicherakkord zudecken mit einem Schnee, der nicht von dieser Welt ist. Im Fuzzy Trio werden Fragmente des Tonmaterials aus dem Kontext gerissen, wie klassische Kunstwerke, die aus einem Museum gestohlen wurden und die man plötzlich auf einem Dachboden wiederfindet. Dazu passt auch die gleichermaßen belebende wie beißende Mischung aus gesprochenen und gesungenen Worten in der Wölfli-Kantate. Selten findet man einen Komponisten, der so produktiv und doch so immun gegen die Klischees der zeitgenössischen Musik ist.

Aperghis‘ neuestes Werk, ein Musiktheaterstück mit dem Titel Die Erdfabrik, wird vom 11. bis zum 20. August im Rahmen der Ruhrtriennale in Duisburg uraufgeführt. Mit Texten des französischen Lyrikers Jean-Christopher Bailly und Annette von Droste-Hülshoffs will das Stück die geologischen Prozesse erforschen, die der Mensch einst zu nutzen lernte und die heute unsere Existenz auf diesem Planeten bedrohen. Ich treffe Aperghis vor einer Erdfabrik-Probe in Duisburg zu einem halb auf Englisch, halb auf Französisch geführten Gespräch.


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... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.