Eigentlich (das heißt, wenn alles nach Plan liefe) könnte man sich beim DSO gerade ein bisschen wie auf Zeitreise ins paradiesische 19. Jahrhundert fühlen: jede Woche ein brandneues Klavierkonzert – welches darunter »von Dauer« sein wird, das weiß der Kuckuck, aber darum geht es nicht, sondern um das Existieren im Elixier. Aber weil fast nie alles nach Plan läuft, sondern sich zum Beispiel Sehnenscheiden entzünden, ist im jüngsten Konzert des Deutschen Symphonie-Orchesters dann doch nicht Alice Sara Ott mit einem niegelfrischen Klavierkonzert des The National-Gitarristen Bryce Dessner zu hören, sondern stattdessen das nicht totzunagelnde 2. Klavierkonzert c-Moll von Sergej Rachmaninow. Der kurzfristig eingesprungene Pianist Alexander Malofeev ist weder Rampensau noch Tastenlöwe, alles andere als ein breitbeiniger Klangspreader, sondern ungeachtet seiner technischen Klasse eher einer für die intimeren Formate. Was unbedingt ein Vorzug sein kann (wie sich etwa in der bezaubernden Zugabe zeigt), nur nicht unbedingt bei good old Rach2. Da wird dann Sergej Tanejews leise Kritik sehr plausibel, »dass das Klavier fast nie ohne Orchester spielt«. Es neigt zum Untergehen.
Der Zugang unter der Dirigentin Elim Chan ist im Kopfsatz eher breit, das Klangbild des Orchesters empfinde ich als dumpf, stellenweise breiig, die Höhepunkte geraten mir zu knallig. Einnehmend aber ist das aufmerksame Zusammenspiel zwischen Solist und Orchestermusikern im zweiten Satz. Und im Finale ist dann auch zuvor vermisstes Tutti-Blühen zu erleben. Die sogar denkbaren fast paradoxen Frühlingsqualitäten dieses vielgespielten c-Moll-Stücks jedoch, die zum Beispiel die Pianistin Anna Vinnitskaya gern hervorhebt, werden hier kaum spürbar. Doch eben auch nicht jenes Klangopium, mit dem ein Mann todsicher seine Nachbarin Marilyn Monroe zum Glühen bringt.

