Ein Orchesterkonzert in der Scheune, ein Performancespace in der alten Brennerei, eine Open-Air-Bühne im Gutshaus-Garten, ein heimeliger »Kokon« im Wald, ein temporärer Club, eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert und mittendrin Dorfbewohner:innen, die mit Kaffee und Kuchen all die versorgen, die nur für ein Wochenende nach Bröllin kommen: So in etwa wird das sogenannte Schloss Bröllin (das eigentlich ein altes Rittergut ist) vom 7. bis zum 9. August aussehen, wenn hier zum fünften Mal das Detect Classic Festival stattfindet.

Seit mittlerweile acht Jahren widmet sich beim Detect ein relativ junges Organisationsteam (seit 2019 in Kooperation mit den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern) Klassik und Ambient genau wie Elektronischem und Zeitgenössischem und schafft Übergänge zwischen Club, Konzerthaus und Open Air. Nach der ersten Ausgabe im Berliner Funkhaus zog das Festival erst nach Neubrandenburg, bis das Schloss Bröllin zur Detect-Wahlheimat wurde.

2019 traf ich zwei Detect-Veranstalter in einer alten Torpedo-Versuchsanstalt am Tollensesee, die dem Festival damals als Kulisse diente. Sieben Jahre später sprechen wir uns wieder. Von Jasmin Falk und Konstantin Udert möchte ich wissen: Wie blicken sie heute auf die Gefahr, beim Einreißen von Genregrenzen musikalisch in allzu seichtem Fahrwasser zu landen? Gibt es überhaupt so etwas wie Routine, wenn man ein Festival organisiert in einem Zusammenschluss von Techno-Kollektiven und den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern? Und wie kommt es, dass das Detect in diesem Jahr zurückkehrt nach Berlin – und mit dem zweiten Festival Between Mountains weiterzieht bis in die Schweiz?

VAN: Beim Detect Classic Festival gibt es Orchester- und Kammermusikkonzerte, aber auch DJs, Bands, Yoga-Workshops … Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit so unterschiedlichen Szenen?

Jasmin Falk: Bei uns kommen Menschen zusammen, die sonst nicht zusammengefunden hätten. Da gibt es große Unterschiede: wie man arbeitet, wie man sich Sachen vorstellt, wie man Sachen plant, wie man sie bespricht und mit wem …
Ein gutes Beispiel sind die Kollektive, die bei uns die Floors bauen, so etwas haben Klassikfestivals ja normalerweise nicht. Das sind Leute, die viele Dinge in ihrem Leben tun, die gar nicht bezahlt werden und die Motivation dahinter, das zu tun, ist: Es muss Spaß machen. Und dass man etwas komplett Neues erschaffen kann, was vorher nicht da war, auf einer leeren Wiese oder in einem leeren Wald. Man schafft einen neuen Ort, an dem eine Gruppe von Menschen dann viel Zeit miteinander verbringt. Und die Gäste, die dort hinkommen, sind hin und weg von dem, was sie da sehen.
Das ist natürlich ein großer Unterschied in der Arbeitsweise zu den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, mit denen wir kooperieren. Es liegt in der Natur einer solchen Organisation, die Dinge effizient zu organisieren. Wenn man zum Beispiel einen Zaun aufbaut, sagen die Kollektive: ›Das ist ja ein hässlicher Zaun, den wollen wir hier nicht. Der zerstört unser ganzes Bild von dem, was wir versuchen zu machen.‹ Die Festspiele sagen: ›Der Durchgang muss aber irgendwie zugemacht werden.‹ Dann kommt eine Diskussion auf und man muss darüber reden, wie man das jetzt schön gestalten kann, und auch vielleicht aufeinander zugehen und einen Kompromiss finden.
Und das geht bei vielen Themen so, auch beim Thema Sicherheit. Wenn irgendwas gebaut wird, fragen manche sich nicht zuerst: ›Ist das jetzt sicher?‹, sondern: ›Macht es Spaß, da drauf zu klettern und sieht es gut aus?‹ Dann entstehen Diskussionen und neue Lösungsansätze. Das dauert aber ein bisschen, ein paar Jahre.

Konstantin Udert: Ich erlebe es inzwischen so, dass wir weniger Kompromisse suchen, als dass wir überlegen: Wie geht beides? Es soll eine Veranstaltung sein, die der Erwartungshaltung eines klassischen Konzertbesuchers genauso gerecht wird – und darüber hinaus – wie der Erwartungshaltung einer Person, die sonst eher auf Festivals nur mit elektronischer Musik geht. Dass es für alle den Standard gibt, den man kennt, und dann aber etwas dazukommt, was man noch nicht kennt. Auf allen Ebenen eigentlich das gemeinsame Vielfache – das ist unglaublich komplex.

Welche Kollektive habt ihr dieses Jahr dabei? Wechselt das jedes Jahr oder sind es immer die üblichen Verdächtigen?

Jasmin: Das sind tatsächlich die üblichen Verdächtigen. Das ist das Schöne. 2019 war es mit einem Kollektiv zu chaotisch, die sind nicht mehr dabei. Ansonsten sind die, die dazugekommen sind, geblieben: das PACK, hauptsächlich aus Berlin – die waren von Anfang an bei uns auf dem Detect dabei, also 2019 schon auf dem RWN-Gelände in Neubrandenburg –, die machen bei uns die Open-Air-Bühne. Dann gibt es die Berliner Hütte-Crew, die seit 2021 dabei ist, die kommen ursprünglich aus Österreich und Slowenien und machen bei uns den Indoor-Floor, der die stärkste Club-Atmosphäre hat. Viele von denen legen auch selbst dort auf. Beim Festival 2021 war außerdem eine Gruppe von Leipziger Gästen da, die uns im Nachgang kontaktierten: ›Super Festival, aber Euch fehlt ein gemütlicher Ambient-Floor‹, und seitdem macht das deren Crew namens Lange.Weile. Dann gibt es noch die Specht-Crew aus Spechthausen, die gestalten den Bogen, die Indoor-Bühne, wo auch mal akustische Konzerte stattfinden können, die Octopus Crew aus Leipzig, die einen Kids-Floor macht, und Dunkelstrom, unser Lichtkollektiv.

Konstantin: Wir haben nie die Umsetzung fertiger Ideen erwartet, sondern sie sind immer im Austausch entstanden. Die Crewmitglieder nehmen ihren Urlaub für die Möglichkeit, etwas Neues zu erschaffen, was wiederum verbindet oder einem Anlass gibt, Freunde wiederzusehen und sich zu verwirklichen. Es wirkt somit weniger wie ein gewinnorientiertes Live-Event und mehr wie ein Familienfest mit Ambiente. Grundsätzlich ist es ein unschätzbarer Vorteil, dass viele Partner so kontinuierlich dabei sind und wir so gemeinsam wachsen können. Schließlich müssen wir einem sehr hohen technischen Standard genügen.

VAN Festivalguide 2026

© Lucie Schulze

7.–9.8.26 • Schloss Bröllin

Detect Classic Festival

Das Detect Classic Festival erforscht ein Wochenende lang Klassik und Ambient, Elektronisches und Zeitgenössisches, Avantgarde, Beats, Rhythmus, Raumakustik und verwischt Grenzen zwischen Club, Open Air und Konzertsaal.

Hat sich die Zusammenarbeit mit den Kollektiven über die Jahre verändert? Oder hat sie eure Arbeitsweise verändert?

Konstantin: Es gibt schon unterschiedliche Erwartungshaltungen, die man aneinander anpassen musste oder bei denen wir übereinander lernen mussten. Die Festspiele haben zum Beispiel ein Mobilitätssponsoring von BMW. Es sieht von außen betrachtet so aus, als hätten die extrem viel Geld, aber das ist einfach nicht so. Es gab bei manchen die Erwartung: ›Wir machen jetzt was mit klassischer Musik, wir holen uns das Geld zurück.‹ Und da mussten wir erstmal gegenseitig Verständnis herstellen: Was ist das Festivalbudget, warum kostet es das, was es kostet? 
Außerdem gibt es auf der einen Seite unfassbar viel Ehrenamt und auf der anderen Seite ein paar infrastrukturelle Dinge, die einfach professionell gemacht sein müssen, zum Beispiel bei der Ton- und Lichttechnik. Wer Ton- und Lichttechnik installiert in den Tagen vorm Festival, isst das Gleiche und bewegt sich auf der gleichen Fläche wie die Kollektive. Alle sind mit Recht der Meinung, dass sie sich intensiv engagieren für die Sache und trotzdem wird da mit zweierlei Maß gemessen. Dieses Thema war am Anfang sehr groß und ich würde nicht sagen, dass das ausgeräumt ist, aber man hat sich arrangiert. Transparenz ist an der Stelle wichtig. Und das Catering! Ein gutes Catering kann viel sinnvoller sein, als den Crewmitgliedern irgendwie ein noch immer viel zu kleines Honorar zu zahlen. Das Essen ist ein Genussmoment, bei dem auch Gemeinschaft entsteht. Sowas ist wichtig, gerade wenn man sich fürs Arbeiten Urlaub genommen hat. 

Und wer kauft sich ein Ticket für das Detect?

Konstantin: Das sind sehr unterschiedliche Menschen. Es gibt die, die regelmäßig ins klassische Konzert gehen und teilweise auch etwas älter sind. Die kommen zu uns, weil sie Spaß daran haben, an einer etwas jüngeren Veranstaltung teilzunehmen, auf der aber selbstverständlich die Erwartungshaltung ist, eine klassische Konzerterfahrung haben zu können. Und auf der anderen Seite ist das Detect explizit familienfreundlich. Vieles findet tagsüber statt, man kann ins Konzert gehen, und wenn die Aufmerksamkeit zu Ende ist, kann man das Konzert wieder verlassen und im Gras spielen oder zum Schminken gehen … Und so ist es auch gerade etwas für diejenigen, denen monothematische Rave-Festivals zu langweilig geworden sind. Und nicht zu vergessen, echte Connaisseure, denen wir mit einem Line-Up zum Zuhören begegnen – nicht optimiert auf den Drogenkonsum. Die Diversität in unserem Publikum empfinde ich als außergewöhnlich. 

Jasmin: Viele kommen natürlich mit Freundeskreisen und nicht alleine auf unser Festival, das spielt eine Riesenrolle jenseits des einzelnen Konzerts. Und ich glaube, da braucht es einfach Zeit, also mindestens einen Tag, aber besser eben Freitag bis Sonntag, um sich Dinge sich anzuhören, die man sich vorher ausgesucht hatte, die man unbedingt besuchen möchte, und sich aber auch die Zeit zu geben für Dinge, die man auf dem Festival erst entdeckt.

Ihr versucht mittlerweile ganz bewusst, die klischeehafte Kombination von Klassik und Techno zu vermeiden. Wie macht ihr das? 

Jasmin: Wir fragen zum Beispiel nicht die Junge Norddeutsche Philharmonie, ob sie mit einem Technokünstler ein Konzert spielen wollen oder sowas. Ja, wir haben Acts, die zum Beispiel elektronische Musik machen und sich dann ein Ensemble dazu holen. Aber tatsächlich machen wir das mittlerweile eher selten, weil wir gemerkt haben, dass es oft genau das Klischee bediente, das wir nicht wollen. Es gibt diese Erwartungshaltung von Leuten, die uns nicht kennen, das wurde auch sehr lange in der Presse immer so aufgegriffen: ›Techno meets Klassik.‹ Das ist aber nicht das, was drin ist.

Gibt es Acts, bei denen ihr sagen würdet: Hier funktioniert die Kombination von Klassik und Elektronischem gut?

Jasmin: Bei uns gibt es zum Beispiel Künstler wie Kavall, der klassische Gitarre spielt mit einem System, bei dem jede Saite seiner Gitarre verbunden ist mit einem Lichtpunkt. So entsteht beim Spielen ein dreidimensionaler Raum aus Lichtpunkten und das Publikum sitzt mittendrin. So kombinieren wir Elektronisches mit eigentlich sehr klassischer Gitarrenmusik, aber es ist eben nicht das Klischee. Sowas interessiert uns mehr als irgendein Crossover.
Und wir finden es auch spannend, wenn Ensembles, die bei uns ein klassisches Konzert geben, aber auch auf dem Food Court spielen und eine halbe Stunde lang die Leute unterhalten beim Mittagessen. Oder wir platzieren klassische Musiker:innen als Intermezzi zwischen DJ-Sets – aber eben nicht ›irgendwie dazu‹. 
Auf der kuratorischen Seite ist das sehr interessant, wir haben zum Beispiel sehr unterschiedliche Lautstärken. Und wir versuchen, viele Verbindungen zu schaffen, indem wir diese Dinge ineinander weben, aber eben nicht zusammen auf die Bühne stellen. Oft passieren bei uns zwei total verschiedene Sachen, die man so niemals auf einer Bühne hintereinander erleben würde. Und es ist echt sehr cool, wie das funktioniert: Leute tanzen zu klassischer Musik, weil sie noch im Gefühl des letzten DJ-Sets stecken. Und bei ruhigen DJ-Sets setzen sich die Leute hin und hören wirklich sehr aufmerksam zu. 

Beim Booking habe ich den Eindruck, ihr seid eher weg von den großen Namen, hin zu unbekannteren Artists. Ist das richtig? Und wenn ja, warum?

Konstantin: Ich glaube, in der Anfangsphase war es richtig, das Festival zu positionieren mit Namen, die man kennt. Aber die haben natürlich einen Budgetanteil verzehrt, der uns gefehlt hat, um andere spannende Sachen zu buchen, die wir auch gerne gesehen hätten. Ab einem gewissen Punkt haben wir gemerkt: Wir können der Dynamik vertrauen, dass das Festival über die Weitererzählung und Freundesfreunde wächst. Das funktioniert besser, als Fans von Künstler X oder Künstlerin Y davon überzeugen, auf unser Festival zu kommen, anstatt deren viel günstigeres Konzert in Berlin zu besuchen. 
Wir haben jetzt eine Budgetobergrenze pro Künstler:in definiert. Natürlich bekommen nicht alle das Gleiche. Aber wir suchen andere Argumente als die Gage und die Offenheit, Begeisterungsfähigkeit und Nähe unseres Publikums spricht sich herum. Große Klassik-Namen spielen ohnehin nicht so eine starke Rolle, weil das für die Mehrheit unseres Publikums der unbekanntere Teil ist.
Und, wie Jasmin eben schon meinte: Jeder merkt es sofort, wenn sich jemand mal sechs Wochen mit Ableton beschäftigt hat und damit auf die Bühne geht. Das kann nicht die Reife haben, wie wenn jemand sein Instrument 20 Jahre gespielt hat oder seit Jahren auflegt oder Clubkonzerte spielt. Und deswegen ist es für uns viel interessanter, das Original zu kuratieren, als halbgare Kompromisse auf die Bühne zu bringen. 
Wenn das alles gut kuratiert ist, lassen sich die Leute gerne darauf ein, auch auf Unbekannteres. Bei uns geht es eher darum, zuzuhören, neue Musik kennenzulernen und weniger das, was man schon kennt, nochmal zu erleben. Natürlich ist es trotzdem gut, wenn man als Orientierungspunkt ein oder zwei Namen hat, mit denen man was anfangen kann. 

Dieses Jahr fährt Detect zum zweiten Mal in die Berge – ihr veranstaltet seit 2025 auch das Between Mountain Festival. Was passiert da? 

Konstantin: 2021 spielte Baldur Brönnimann, ein Schweizer Dirigent, auf unserem Festival. Der hatte zu dieser Zeit mit seinem Kollegen Felix Heri eine ähnliche Idee wie unsere. Und Baldur hat uns dann angesprochen, ob wir deren Vorhaben gemeinsam verfolgen wollen. Auch in Bezug auf die Förderung war es sehr hilfreich, dass wir sagen konnten: Diese Idee hat schon mal funktioniert. Wir können außerdem Synergien im Booking nutzen. 
An sich wurde schnell klar: Es ist ein großer Vorteil, Menschen, die wir beim Detect Classic Festival kennengelernt haben, auch im Between Mountains Festival einzubinden, aber es braucht auch einen ganz starken lokalen Bezug. Wir haben darum Kollektive aus der Schweiz angesprochen: Basso Basel, Schmusi und IRUBO sind jetzt dabei.
Ich glaube, wir hatten uns das anfangs noch ein bisschen leichter vorgestellt, so copy and paste. Ganz so war es nicht. Aber wir kommen dort viel schneller voran, da wir auf Grundlage unserer Erfahrung bessere Entscheidungen treffen.

Was zum Beispiel? 

Jasmin: Das können ganz grundlegende Sachen sein: Wieso brauchen wir eine Artist Care? Wie lange geht das Festival? Brauchen wir Camping? Wie muss das aufgebaut sein? Aber natürlich auch: Wie sieht das Booking aus? Jetzt sind es eigentlich alles lokal verankerte Musiker:innen, mit denen wir arbeiten. 

Reagieren das Publikum oder die Musiker:innen in der Schweiz anders als in Mecklenburg-Vorpommern? Oder ist der Vibe ähnlich? 

Konstantin: Ich war überrascht, wie begeistert das Publikum in der Schweiz war. Das hatte ich auf dem Detect am Anfang nicht so stark erlebt. 

Jasmin: Ich glaube, das liegt aber ein bisschen daran, dass beim Detect anfangs viel Berliner Publikum war. Und Berliner sind ja schon immer sehr kritisch.

Foto © Sophia Hegewald

In diesem Jahr veranstaltet ihr außerdem zum ersten Mal das Festival nowHERE, in Kooperation mit dem Konzerthaus Berlin. Wieso kommt ihr, nachdem ihr 2019 absichtlich raus aus Berlin und nach Mecklenburg-Vorpommern gegangen seid, jetzt zurück nach Berlin? 

Jasmin: Das Konzerthaus hat uns angesprochen und eingeladen, ein kooperatives Festival für Klangerfahrung zu schaffen. Es gibt hier noch andere Kooperationspartner:innen, İÇ İÇE ist auch dabei, das Festival für neue anatolische Musik aus Berlin. Wir sind ganz gespannt, weil wir jetzt nicht nur wieder zurückkommen nach Berlin mit unserem Festival, sondern an einen Ort, der bereits eine Bedeutung hat für Berliner:innen und für den Klassikbetrieb natürlich auch.

Wird das Festival im Konzerthaus selbst stattfinden?

Jasmin: Die Konzerte werden im Konzerthaus sein, ganz genau. Es wird etwas anders als das, was wir sonst machen: kein klassisches Festival, man kann nicht campen und man kann sich auch kein Festival-Ticket kaufen, sondern man kann sich Tickets für einzelne Konzerte kaufen. Aber wir kuratieren das schon so, dass es ein Erlebnis wird, was man sich im besten Fall über mehrere Tage hinweg anschaut. Die Konzerte stehen nie nur für sich, es gibt weiteres Programm und wir werden auch ein gewisses Festivalambiente in das Konzerthaus bringen.

Das klingt von Konzept her schon nah an dem, was ihr 2018 im Funkhaus gemacht und von dem ihr dann bewusst Abstand genommen habt. Was macht ihr jetzt anders? 

Konstantin: Damals fiel es uns sehr, sehr schwer, am Standort Berlin eine Community, eine Gemeinschaft in dem Sinne, wie vorhin besprochen, aufzubauen. Jetzt haben wir diesen Kern, der sich auf dem Detect-Festival bildet, und die Idee ist, dass wir auch zwischen den Festivals, die ja nur einmal im Jahr sind, Anlässe schaffen können, um sich wieder zu begegnen. Diese Gemeinschaft haben wir als Basis und wollen darüber hinaus neue Interessierte ansprechen, auch im Abonnentenkreis des Konzerthauses. 
Und: Grundsätzlich kommen verblüffend viele Gäste aus dem ländlichen Raum auf unser Festival, aber natürlich ist ein großer Teil aus Berlin und Leipzig. Da macht es total Sinn, dass man jetzt diesen Weg nochmal geht in Berlin.

Lässt das Konzerthaus dann so ein Kollektiv wie Hütte den Saal umdekorieren?

Jasmin: Das ist ein bisschen ähnlich wie bei der Frage, wie viel Sinn es macht, Techno und Klassik auf eine Bühne zu stellen. Ich glaube, man muss oft gar nicht so viel kaputt machen, um etwas zu verändern. Man kann auch subtil was ändern und eine starke Wirkung erzielen.
Das Konzerthaus wird das Konzerthaus bleiben. Wir planen, mit Beleuchtung einiges zu verändern. Wir werden keine Löcher in die Wand bohren und irgendwelche Sachen aufhängen in der Hoffnung, dass es hält. Es wird auch keine Hütte Crew ins Konzerthaus kommen und das ganze schöne Gold mit Molton abdecken. Aber es wird auf jeden Fall anders, allein schon programmatisch und in der Art, wie man das Konzerthaus entdecken kann. Durch die Verwandlung möchten wir eine Augenhöhe schaffen zwischen Menschen, die noch nicht im Konzerthaus waren, und Gästen, die öfter dort sind. ¶

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Sonderveröffentlichung für den VAN Festivalguide.


... machte in Köln eine Ausbildung zur Tontechnikerin und arbeitete unter anderem für WDR3 und die Sendung mit der Maus. Nach einem Schulmusik- und Geschichtsstudium in Berlin und Bukarest gibt sie Seminare in Musikwissenschaft und Musikjournalismus und ist Redakteurin bei VAN. merle@van-verlag.com