Als ich siebzehn Jahre alt war, hörte ich zum ersten Mal live eine Bruckner-Sinfonie, gespielt vom Boston Symphony Orchestra. Ich weiß nicht mehr, welche es war, was sonst auf dem Programm stand oder wer dirigiert hat. Nur an eins kann ich mich klar erinnern: ein Gefühl der völligen Verlorenheit. Es war mir, als ob ich auf einem Riesenrad fuhr, das so groß war, dass ich nur dunkel erahnen konnte, wo der höchste Punkt erreicht sein würde und wann ich wieder aussteigen dürfte. Dieses sonderbar schwindelnde Gefühl, von dem einem beinahe übel wird, überkam mich wieder, als ich am 1. Oktober in der Berliner Philharmonie Bruckners 5. mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Herbert Blomstedt hörte. Es liegen sechzehn Jahre dazwischen. Schwindel und Hilflosigkeit, die diese Musik in mir auslösen, sind dieselben geblieben.
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