In der Welt der klassischen Musik ist anti-asiatischer Rassismus so allgegenwärtig, dass er vielen Nicht-Betroffenen gar nicht mehr auffällt. Szenen wie in meinem ersten Studienjahr an der Royal Academy of Music in London, als ein koreanischer Kompositionsstudent ein einziges Mal zu spät zum Unterricht erschien, was den Professor zu einer ekelhaft karikierenden Nachahmung seines Akzents veranlasste, sind keine Seltenheit. Dieser Rassismus scheint – wie so vieles – in einer Mischung aus Ignoranz und drängenden, aber uneingestandenen Zukunftsängsten zu wurzeln. Von den Aussagen weltberühmter Musiker:innen bis zu anonymen Internetkommentaren hat die Diskriminierung asiatischer Musiker:innen einen hässlichen gemeinsamen Tenor: »In der klassischen Musik werden ›sie‹ ›uns‹ nicht ersetzen.«

Für diesen Text habe ich mit acht Musiker:innen aus Europa, den USA und Asien gesprochen, darunter Instrumentalist:innen, einem Sänger und einer Komponistin. Sie berichten, wie sie als Musikautomaten abgestempelt, unterschätzt und regelmäßig miteinander verwechselt werden und wie man ihnen immer wieder signalisiert, dass sie in dieser Kunstsparte keinen Platz hätten. Sie sprechen aber auch über ihren Optimismus und ihre Arbeit an eigenen musikalischen Utopien.


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... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.