Zeitgenössische Musik ist nicht nur »neu«, sie ist auch ein Archiv. Kein Werk entsteht im geschichtslosen Raum. Was aber, wenn Musik zum Erinnerungsraum erklärt wird und gezielt erinnern soll? An der Akademie der Künste widmet sich das Festival Memories in Music dieser Frage und präsentiert Werke, die Erfahrungen und Erinnerungen vergegenwärtigen. Es geht um Migrationsgeschichten, um die Aufmerksamkeit für bedrohte oder bereits ausgelöschte Kulturen oder auch um Kindheitserinnerungen. Martina Seeber hat mit den Komponist:innen Annesley Black und Walter Zimmermann über die Dimensionen des Erinnerns in Musik gesprochen und damit auch über kulturelle Aneignungen und Identitätsfragen.

Walter Zimmermann • Foto © Eva-Maria Schön

Herr Zimmermann, Sie haben schon sehr früh konkrete Erinnerungen in Werken verarbeitet. Ein Beispiel ist Ga’s für Oboe und Zuspiel. Hier spielt ein Oboist zu einer Feldaufnahme, die Sie in Ägypten gemacht haben, also zu einem Reise- oder Expeditionssouvenir. Worum ging es Ihnen bei diesem Stück?

Walter Zimmermann: Das ›Souvenir‹ ist in Anführungszeichen zu lesen. Ich habe 1974/75 eine Reise in die Oase Siwa unternommen. Der Titel Ga’s kommt von Ghasel, einer poetischen Form. Die Aufnahme habe ich mit einem Beduinen gemacht, den ich außerhalb der Oase getroffen habe. Im Phonetischen Institut in Köln habe ich dann eine möglichst exakte Transkription angefertigt. Deshalb spielt der Oboist auch nicht aus Noten sondern aus einer graphischen Partitur. Er versucht, so genau wie möglich in die phonetische Transkription hineinzuschlüpfen. Mir war es wichtig, dass ich nicht kommentiere, sondern etwas möglichst bloß und karg präsentiere. Ich habe kompositorisch keinerlei Kommentare gemacht, sondern ein Abziehbild hergestellt, ich habe wie mit Pauspapier gearbeitet.


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​​… geboren in Wattenscheid und aufgewachsen im Rheinland. Nach einem Aufenthalt in Paris studierte sie Musikwissenschaft, Romanistik und Philosophie in Köln und ging anschließend an die Deutsche Hörfunkakademie in Dortmund. Heute arbeitet sie als freie Autorin und Moderatorin vor allem für die Kultur- und Musikprogramme von WDR, BR, HR, SWR, Deutschlandfunk, Opern- und Konzerthäuser. Sie präsentiert Live-Konzerte, moderiert Radiosendungen, schreibt für Printmedien und produziert Features...