Andreas Scholl ist einer der bekanntesten deutschen Countertenöre. Sein Popstar-Potential darf daran gemessen werden, als erster Countertenor überhaupt bei der Last Night of the Proms und in der Harald Schmidt Show zu Gast gewesen zu sein. Die Renaissance seines Stimmfaches in den vergangenen 30 Jahren hat er maßgeblich mitgestaltet. Geliebt und weltweit hochgeschätzt für seine einzigartige Stimme und sein beseeltes Musizieren gibt er sein Wissen auch als Lehrender und Dirigent weiter. Ich erreiche Andreas Scholl in seinem Zuhause in Kiedrich. Per Videotelefonat sprechen wir darüber, was Bach für ihn bedeutet und warum es uns zu kompletteren Menschen macht, uns von Musik und der faszinierenden Androgynität einer Countertenorstimme berühren zu lassen.
VAN: Was reizt dich am Dirigieren?
Andreas Scholl: Es ist ein Luxus. Natürlich lassen mich die Leute nicht dirigieren, weil sie denken, ich bin großer Dirigent, sondern weil alle neugierig sind: Wie macht er das? Ich stehe ja für etwas, wie ich Bach sehe und singe – kann ich davon etwas im Kollektiv transportieren? Kann man das hörbar machen?

