Sie ist eine der ganz Großen unter den Komponistinnen klassischer Musik. Laut Melanie Unseld zählte Ethel Smyth »zu den bekanntesten und meistaufgeführten Komponistinnen ihrer Zeit«. Jürgen Otten bezeichnete ihre zuletzt 2022 prominent beim Glyndebourne Festival aufgeführte Oper The Wreckers in der Opernwelt als ein »absolut originäres wie originelles Opus«. Und Gesa Finke sieht in der Österreichischen Musikzeitschrift in Ethel Smyth eine »Felsensprengerin«, die jedoch vor allem »durch ihr Engagement in der Suffragettenbewegung sowie [durch] ihre Liebesbeziehungen zu Männern und Frauen« provozierte, »womit sie die Geschlechterkonventionen ihrer Zeit radikal in Frage« gestellt habe.
Die am 23. April 1858 in Kent (oder London, so Unseld) geborene Smyth war das vierte von acht Kindern; ihre Mutter eine künstlerisch interessierte Frau mit Adelsherkunft, ihr Vater ein Generalmajor der königlichen Armee. Mutter Nina, auch dies berichtet Unseld, hatte einst einen Salon in Paris organisiert, in dem sich Chopin, Rossini und andere illustre Gestalten sehen ließen.

